Am 31. März kommenden Jahres stehen dann die Verträge von Klaus Wucherer, 62, und Uriel Sharef, ebenfalls 62, zur Erneuerung an – wobei für Siemens-Vorstände offiziell eine Altersgrenze von 65 gilt. Wucherer hat den Bereich Industrieautomatisierung (A&D) saniert und zu großen Erfolgen geführt, er gilt als von den Skandalen bislang unbelastet und deshalb als feste Bank innerhalb des Zentralvorstands. Eine Verlängerung seines Auftrages wäre also durchaus möglich.
Uriel Sharef hat in einem weiteren Schmiergeldverfahren, in dem derzeit vor dem Landgericht Darmstadt zwei ehemaligen Siemens-Managern der Kraftwerkssparte der Prozess gemacht wird, aussagen müssen. Er ist also zumindest im Umfeld der Schmiergeldaffären in Erscheinung getreten. Das schwächt die Position des gebürtigen Israelis, der im Zentralvorstand seit Jahren die Kraftwerkssparte betreut.
Joe Kaeser, 49, seit nicht einmal einem Jahr Finanzchef des Konzerns, ist bisher nicht direkt vom Schmiergeld-Skandal betroffen worden. Allerdings durchforstet die Staatsanwaltschaft München derzeit die Geschäfte der Mobilfunksparte des Skandalbereichs Com. Hier war Kaeser über Jahre als kaufmännischer Bereichsvorstand tätig. Im Umfeld der Ermittlungen heißt es, ein direkter Mitarbeiter Kaesers habe in den vergangenen Tagen umfassend ausgesagt.
Führungsstruktur bedarf der Renovierung
„Angesichts der Vielzahl ungeklärter Fragen wirkt unsere Führung wie blockiert“, sagte ein Siemensianer am Mittwoch. Umso mehr stellen sich Beobachter die Frage, ob die Struktur an der Spitze des Konzerns, die im Kern seit Ende der 80er Jahre besteht, nicht einer gründlichen Renovierung bedarf und jetzt auch die Zeit dafür wäre. Dem Vernehmen nach soll Klaus Kleinfeld eine Neuordnung längst vorbereitet haben.
Dem Zentralvorstand als originäres Siemens-Führungsgremium gehören laut Satzung neun Mitglieder des Vorstands an, die er aus seiner Mitte wählt. Ihm unterstehen die Zentralabteilungen von Siemens wie Konzernentwicklung, Personal oder Finanzen; außerdem betreuen einzelne Zentralvorstände die heute zehn Geschäftsbereiche. Sie üben dabei keine direkte geschäftliche Verantwortung aus, sondern kontrollieren und koordinieren die Arbeit der Bereiche.
Die Bereiche hingegen haben weitgehend eigenständige unternehmerische Verantwortung. Ihre Chefs, obwohl formal den Zentralvorständen untergeordnet, haben daher innerhalb von Siemens eine starke Stellung. Auch das macht die Führung des Riesenkonzerns mit seinen 475 000 Mitarbeitern so kompliziert.

