Siemens Hauptversammlung: Das zweite Gefecht des Superaufsehers

Siemens Hauptversammlung
Das zweite Gefecht des Superaufsehers

Gerhard Cromme steht in der Kritik: Sowohl bei Thyssen-Krupp als auch bei Siemens rebellieren Aktionäre gegen den Chefkontrolleur. Doch Cromme wischt alle Einwände beiseite – und wird wiedergewählt.
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MünchenGerhard Cromme wacht über die Geschicke gleich zweier Dax-Konzerne: Thyssen-Krupp und Siemens. Der fast 70-Jährige lässt sich erneut als Chefaufseher von Siemens wählen. Damit das in seinem Alter geht, wurde die Satzung geändert. Die sah ursprünglich eine Altersgrenze vor.

Doch von den versammelten Aktionären kassiert der Chefkontrolleur herbe Kritik – wieder einmal. Schon auf der Hauptversammlung von Thyssen-Krupp vergangene Woche traf den Manager der geballte Unmut der Kleinanleger. Somit kämpft die Superaufseher Cromme an zwei Baustellen gleichzeitig.

Allein bei Siemens gibt es genug Arbeit für den Strippenzieher, der heute auch etwas angespannter wirkt als sonst: Der Vorstand muss verkleinert, eine Gewinnstrategie entwickelt und ein Sechs-Milliarden-Euro-Sparprogramm reibungsarm umgesetzt werden. Nur wenn all das gelingt, kann Cromme die ständige Debatte über seinen angeschlagenen Vorstandschef Peter Löscher beenden.

Kritiker werfen dem Siemens-Chef unter anderem vor, im Frühjahr 2011 das plakative Ziel von 100 Milliarden Euro Jahresumsatz als Ziel ausgegeben, dabei aber die Profitabilität aus den Augen verloren zu haben. Siemens steigerte seitdem zwar den Umsatz, gleichzeitig klettern aber auch die Kosten. „Es ist schade, dass wir Aktionäre im letzten Jahr so ernüchtert wurden“, sagt der Vertreter von DWS Investment, Henning Gebhardt.

Der „schwerfällige Tanker Siemens“ müsse wieder auf Kurs gebracht werden, sagt der Vertreter der Fondsgesellschaft Union Investment, Ingo Speich. „Größe ist nicht alles, Siemens tut sich damit keinen Gefallen.“ Konzernchef Löscher wiederum stimmt Aktionäre und Mitarbeiter auf Umbrüche und einen geringeren Gewinn ein. Er spricht von einem „Jahr des Übergangs“.

Auf wenig Begeisterung bei den Aktionären stoßen auch die Zahlen für das Schlussquartal 2012, die der Konzern heute vorlegte. Die Münchener haben einen deutlichen Dämpfer beim Auftragseingang hinnehmen müssen. Das Auftragsvolumen schrumpfte um fünf Prozent, auch der Umsatz der fortgeführten Geschäfte ging um ein Prozent zurück auf 18,1 Milliarden Euro. Das Gewinn nach Steuern sank gar um 12 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Der Aktienkurs sank um ein Prozent.

Kritik an seiner Amtsführung bügelt Cromme aber ab. Zur aktuellen Geschäftsentwicklung bei Siemens räumt er allenfalls ein: „Aufsichtsrat und Vorstand sind nicht zufrieden, dass die eigenen Ansprüche nicht erfüllt wurden, besser als Markt und Wettbewerb zu sein.“ Auf seine erneute Kandidatur geht er nur mit einem Satz ein.

Immerhin erhält Cromme in der Münchner Olympiahalle bei seiner Rede freundlichen Applaus. Vergangene Woche in Bochum buhten ihn die Thyssen-Krupp-Aktionäre noch aus.

Kommentare zu " Siemens Hauptversammlung: Das zweite Gefecht des Superaufsehers"

Alle Kommentare
  • Herr Cromme hat satzungsgemäß die ordentliche Hauptversammlung der Siemens AG geleitet, die protokollgemäß der verabschiedeten Tagesordnung..... Alles klar Herr Cromme.
    Achso, da waren noch strategische Sach- und Personalentscheidungen zu treffen..... Herr Cromme....?!

    Wie Sie sehen meine Damen und Herren, Herr Cromme ist mit fast 70 Jahren unersetzlich.

  • Mr. Teflon-Manager....
    war doch klar, dass auch bei Siemens alle Kritik bei Herrn Cromme abperlt.
    Und wer weiß, vielleicht hat er ja zwei Ziele vor Augen:
    Ruhrbaron in Essen und einen Zusammenschluß von ThyssenKrupp und Siemens voran zu treiben.
    Die Frage ist doch, warum so viele Manager von Siemens zu TK abgewandert sind und die Technologiesparte gestärkt werden soll...
    Wie wär's mit SiemensKrupp AG?

    Und das Siemens ein so diversifiziertes Unternehmen ist, hat wohl eher historische Hintergründe.....

  • Es scheint so zu sein, daß diese Leute kein Gefühl sich selbst gegenüber haben, wann es genug ist.
    In dem Alter genießt man, wenn man normal ist, seine Freizeit - insbeosndere wenn man so viel Geld hat, wie Cromme.

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