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Siemens-IT-Sparte: SIS nutzt die Mitgift für Zukäufe

Der bald eigenständige Dienstleister SIS will die vom Münchener Mutterkonzern bereitgestellten 500 Millionen Euro in aggressives Wachstum investieren. Experten halten eine mögliche Übernahme für sinnvoll.

Das Bürogebäude der Siemens AG für IT in Erlangen: SIS wird in eine selbstständige Firma umgewandelt. Quelle: ap
Das Bürogebäude der Siemens AG für IT in Erlangen: SIS wird in eine selbstständige Firma umgewandelt. Quelle: ap

MÜNCHEN. Noch ist unklar, wie die Zukunft der defizitären Siemens-IT-Sparte SIS konkret aussieht. Fest steht: Der Konzern stellt das langjährige Sorgenkind auf eigene Beine, weltweit sollen 4 200 der mehr als 30 000 Stellen gestrichen werden.

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Das Management aber sieht den IT-Dienstleister in Aufbruchsstimmung. SIS will die Mitgift, von 500 Mio. Euro, die Siemens der Tochter mit auf den Weg in die Eigenständigkeit gibt, für aggressives Wachstum nutzen und plant Übernahmen. "Es gibt sicher nicht viele IT-Dienstleister, die soviel Geld in der Tasche haben, um das Geschäft voranzubringen", sagte SIS-Deutschlandchef Robert Gögele dem Handelsblatt.

Siemens wandelt SIS in eine selbstständige Firma um. Später könnte sich der Konzern ganz von dem Geschäft trennen. Vorstandschef Peter Löscher hat zugesagt, noch einmal kräftig zu investieren. Da Deutschland der wichtigste Markt für SIS sei, werde ein guter Teil der Investitionen hier hinfließen, sagte Gögele. Der IT-Dienstleister wolle dies bei passender Gelegenheit für Akquisitionen nutzen, um Kundenzugang zu bekommen, aber auch, um "aggressiver in Ausschreibungen hineinzugehen".

Analysten sehen eine mögliche Übernahme positiv. Das sei absolut sinnvoll, sagt Klaus Holzhauser vom IT-Beratungshaus PAC in München. Nach Ansicht des Experten wird sich SIS aber nicht nur in Deutschland nach Kaufkandidaten umschauen, sondern auch im europäischen Ausland und in Amerika.

In den vergangenen Jahren hat Siemens mehrfach Strategie und Führungspersonal von SIS ausgewechselt. Die Sparte wurde ausgegliedert und wieder reintegriert. Grund für den Aktionismus waren die unbefriedigenden Zahlen. Im abgelaufenen Quartal lief ein Verlust von zehn Mio. Euro bei einem Umsatz von knapp einer Mrd. Euro auf.

Zuletzt hatte SIS gezwungenermaßen das Outsourcing-Geschäft vernachlässigt. Wegen der im Vergleich zu Wettbewerbern deutlich höheren Kosten im Verbund des Siemens-Konzerns hatte die Sparte kaum Chancen bei Ausschreibungen. Das soll sich durch den Stellenabbau verbessern. Gestärkt durch die Investitionszusage geht SIS nun mit einer Kampfansage an die Konkurrenz in den Markt. PAC-Analyst Holzhauser sieht gute Chancen, den Wettbewerbern Aufträge abzujagen: "Die Ausgliederung wirkt sich positiv aus, SIS bekommt mehr Freiheiten, wird flexibler."

Im Vergleich mit den großen amerikanischen Wettbewerbern ist SIS aber nur eine kleine Nummer. Weltmarktführer IBM etwa erzielte letztes Jahr den Marktforschern von Gartner zufolge Serviceumsätze von 55 Mrd. Dollar. Hewlett-Packard als Nummer zwei kam auf knapp 35 Mrd. Dollar. Zudem drängt die Konkurrenz aus Indien massiv auf den europäischen Markt. Konzerne wie Tata Consultancy oder Infosys verstärken ihr Vertriebsteam in Mitteleuropa und können durch die niedrigen Löhne in ihrem Heimatland gute Angebote abgeben.

Dennoch blickt die Führung von SIS zuversichtlich in die Zukunft. Eine Zurückhaltung der Kunden gibt es laut Gögele nicht. Er räumt zwar ein: "Die Leute im Markt machen sich natürlich Gedanken wegen der Restrukturierung." Allerdings würden sich die Gründe für die Abspaltung von Siemens und das derzeit laufende Sanierungsprogramm auch Außenstehenden leicht erschließen. "Es verstehen alle, dass so ein Geschäft innerhalb des Konzerns nicht gut geführt werden kann."

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