Siemens
Joe Kaesers turbulente Umbaujahre

Joe Kaeser hat Siemens in zwei Jahren stark umgebaut. Doch die Geduld der Investoren ist nicht unendlich. Das Renditeziel ist in Gefahr, zeigen die neusten Zahlen. Siemens droht die Prognose zu verfehlen.
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MünchenEs war ein sonniger Julitag, als Joe Kaeser im Innenhof der Siemens-Zentrale erstmals als künftiger Vorstandschef vor die Öffentlichkeit trat. Er wolle den Abstand zu den enteilten Wettbewerbern verkleinern, versprach Kaeser. „Und wenn man das jedes Quartal macht, ist man ziemlich schnell dort.“

Inzwischen sind zwei Jahre, also acht Quartale, vergangen. Doch zumindest bei den nackten Zahlen tritt Siemens auch unter Kaeser auf der Stelle. Im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres kam der Konzern im industriellen Geschäft gerade einmal auf eine operative Umsatzrendite von 9,5 Prozent. Das Ziel für das Gesamtjahr von 10 bis 11 Prozent ist arg in Gefahr, auch wenn Kaeser bei der Vorlage der Quartalsahlen (hier im Detail) am Donnerstag die Prognose bekräftigte.

Kaeser hat den Konzern in den vergangenen zwei Jahren stark umgebaut. Er strich die vier Sektoren Industrie, Energie, Medizintechnik und Infrastruktur ebenso wie die Ebene der Regionalcluster. Sein Anspruch ist hoch: „Wir wollen besser werden und die nächsten 170 Jahre erfolgreich sein“, sagte er kürzlich im Bayerischen Fernsehen.

Im aktuellen Umfeld aber tut sich auch Siemens schwer. Der Umsatz legte um acht Prozent auf 18,8 Milliarden Euro zu und der Auftragseingang stieg um vier Prozent auf 19,9 Milliarden Euro. Bereinigt um Währungseffekte ergab sich dagegen ein Minus von drei Prozent beim Umsatz und fünf Prozent beim Bestelleingang. Unter dem Strich gab der Gewinn wegen der Umbaukosten und der Probleme im Stromerzeugungsgeschäft um zwei Prozent auf knapp 1,4 Milliarden Euro nach. Für Kaeser ist 2015 das Jahr der operativen Konsolidierung.

Zwar hatte sich der Ex-Finanzvorstand Zeit ausbedungen. Er will den Konzern nachhaltig profitabler und wachstumsstärker machen und nahm dafür bewusst zwei Übergangsjahre in Kauf. Doch ist die Geduld der Investoren nicht unendlich. In den vergangenen zwölf Monaten trat die Siemens-Aktie auf der Stelle, während der Dax 15 Prozent zulegen konnte. Nun droht Kaeser auch noch, dass er erstmal eine seiner Prognosen verfehlen könnte. Vorgänger Peter Löscher hatte nach einer Reihe von Gewinnwarnungen seinen Hut nehmen müssen.

Immerhin: Nach Vorlage der Zahlen gewann die Aktie bis zu 3,8 Prozent auf 95,96 Euro und war damit zweitstärkster Dax-Wert.

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  • Wann waren nochmal die letzten richtig erfolgreichen Jahre von Siemens, mit starkem Wachstum, hoher Rendite - trotz erheblichem Arbeitsplatzaufbau? Wer war damals an der Spitze? Kein Kaufmann oder Jurist, der im Technologiekonzern technische Sachverhalte maximal erahnt, sondern ein Ingenieur.

  • Wer bei Siemens investiert, sollte wissen, dass man Zeit mitbringen muss, wenn man auf Veränderungen spekuliert. Das ist ein gigantischer Konzern. Wenn hier die Ergebnisse tatsächlich den Prognosen entsprechen würden, wäre das ein (glücklicher) Zufall oder wie ein Sechser im Lotto.
    Aus meiner Sicht sollten Investoren ein Interesse haben, dass Herr Käser Entscheidungen trifft, die
    für den Konzern langfristig einen Sinn ergeben. Dann werden auch Investoren langfristig an Siemens Gefallen finden.

  • Siemens leidet aktuell unter den Russland-Sanktionen. Das erwähnt das Handelsblatt nicht. Man könnte beim Unternehmen ja deswegen einmal anfragen.

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