Siemens kauft Mentor Graphics
Joe Kaeser bastelt an der digitalen Fabrik

Siemens baut sein Geschäft mit Industriesoftware aus: Die Münchener übernehmen für 4,5 Milliarden Dollar die US-Firma Mentor Graphics. Für Joe Kaeser ist das ein weiterer Baustein für die Neuausrichtung des Konzerns.
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MünchenSiemens-Chef Joe Kaeser beschleunigt abermals die Transformation des Traditionskonzerns. Am Montag kündigten die Münchener an, den US-Softwarespezialisten Mentor Graphics für 4,5 Milliarden Dollar zu übernehmen. Die Anteilseigner sollen 37,25 Dollar je Aktie erhalten. „Mentor komplementiert unser starkes Angebot bei Mechanik und Software mit dem Design, Test und der Simulation von elektrischen und elektronischen Systemen“, erklärte Siemens-Vorstand Klaus Helmrich. Erst vor einer Woche hatte Kaeser verkündet, die traditionsreiche Medizintechnik seines Hauses an die Börse zu bringen.

Die in Wilsonville im US-Bundesstaat Oregon ansässige Mentor Graphics stellt Software für die Konstruktion von Halbleitern her. Aus der sehr speziellen Welt der Mikrochips war Siemens vor eineinhalb Jahrzehnten mit der Trennung von Infineon ausgestiegen. Siemens kündigte an, in drei Jahren werde Mentor zum Gewinn beitragen. In vier Jahren ließen sich Synergien auf der Ebene des Betriebsgewinns von 100 Millionen Euro erzielen. Der Aktienkurs stieg in einem freundlichen Gesamtmarkt um 1,1 Prozent.

Der umtriebige Mentor-Großaktionär Elliott unterstütze die Transaktion, teilte Siemens mit. Erst im September war der aktivistische Investor mit 8,1 Prozent bei der Firma eingestiegen und hatte erklärt, das Unternehmen sei deutlich unterbewertet. An der Börse war Mentor Graphics zuletzt mit rund 3,3 Milliarden Dollar wert. Siemens zahlt nun gut ein Fünftel mehr.

Mit dem Zukauf baut Siemens die Vormachtstellung im Bereich der digitalen Fabrik weiter aus. Die Münchener sind bereits Weltmarktführer mit der Simatic-Automatisierungstechnik sowie bei Industriesoftware. Das Softwaregeschäft hatte der Konzern unter Vorstandschef Joe Kaeser in den vergangenen Jahren durch Zukäufe massiv verstärkt.

Wichtigster Schritt war vor knapp zehn Jahren der Kauf des PLM-Softwarespezialisten UGS, der die Basis für weitere Akquisitionen bildete. Anfang 2016 verkündete Kaeser die Übernahme des Anbieters von Simulationssoftware, CD-Adapco, für knapp eine Milliarde Dollar. Die Integration der US-Firma komme sehr gut voran, sagte Kaeser vor wenigen Tagen bei der Bilanzvorlage. Erst am Donnerstag hatte Siemens angekündigt, sich am Simulationsspezialisten Bentley zu beteiligen.

Das Geschäft mit der Digitalisierung der Produktion und der Industrieautomatisierung ist mehr denn je Kerngeschäft von Siemens. Die Aktivitäten in der Windkraft hatte Kaeser kürzlich ausgegliedert und mit den Aktivitäten des Konkurrenten Gamesa zusammengelegt. Auch die Medizintechnik wurde verselbstständigt und soll an die Börse kommen. Zwar will Siemens an beiden Aktivitäten die Mehrheit behalten, doch bekommt der Konzern durch diese Schritte nach Einschätzung in Industriekreisen stärker den Charakter einer Holding – mit dem Herzstück Industrie.

Im vergangenen Geschäftsjahr 2015/16 erzielte Siemens laut Kaeser mit Branchensoftware rund 3,3 Milliarden Euro Umsatz. 29 der 30 führenden Autohersteller nutzten Siemens-PLM-Software. „Siemens wandelt sich Schritt für Schritt zu einem digitalen Unternehmen.“ Das Geschäft ist dabei hochprofitabel. Die Division Digitale Fabrik steigerte ihren Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr leicht auf 10,3 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis lag bei 1,7 Milliarden Euro. Mit einer operativen Umsatzrendite von 16,6 Prozent ist die digitale Fabrik nach der Medizintechnik damit das profitabelste Geschäft von Siemens.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München

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  • Wer braucht denn " Online-Dating-Portale " wenn es Muckibuden zum Eisen biegen für uns Männer und für die Ladys den Knack-Po zum trainieren gibt ?

    Wenn ich Lust habe auf Spielbank, dann mache ich das ja auch nicht Online am PC. Sondern ziehe mir einen eleganten Smoking an, fahre nach Wiesbaden und verbinde das Ganze mit einem Besuch im Gourmetrestaurant Ente und einer Übernachtung im Nassauer Hof.

  • @Anno Nymicus
    Die Aussage über die Forschung und Entwicklung Aufwendungen mit "recht gleichbleibend" zu machen ist ein Unternehmen, dass sich Innovation aus eigenen Antrieb auf die Fahnen geschrieben hat, ein VERNICHTENDES URTEIL!

    "recht gleichbeidend" heißt hier übersetzt...Stillstand und Rückschritt!

  • @Hofmann
    a) kann ich aus der Ferne so nicht beurteilen. Laut Statista recht gleichbleibende Tendenz der F&E Ausgaben: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/248514/umfrage/funde-aufwendungen-der-siemens-ag/

    b) und wenn bei gleichbleibendem Aufwand der Output an Innovationen dann stagnieren sollte, da das System der deutschen Großkonzerne anscheinend ein Recruiting-Raster anwendet, welches keine Risiken eingeht und mit Schema-F-Mitarbeitern eben Schema-F-Output erzeugt wird und die Herrschaften weniger nach Leistung, sondern nach Zeit und Betriebsangehörigkeit bezahlt werden, dann muß eben dort zugekauft werden, wo noch eher ein hire-and-fire möglich ist als hierzulande.
    Denn wie heißt's so schön: wer Zeit bezahlt, bekommt Zeit geliefert.
    Der Kaeser wird's schon richtig machen.

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