Siemens-Konzernumbau
Kaeser geht mit kleinen Schritten voran

Die Investoren waren schon unruhig, jetzt schafft Siemens-Chef Kaeser gleich zwei Befreiungsschläge an einem Tag. Die Bilanz fällt dennoch ernüchternd aus. Kaeser vollzieht den großen Umbau in kleinen Schritten.
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Düsseldorf„Ich persönlich stehe Ihnen dafür gerade, dass die nachfolgende Generation ein besseres Unternehmen weiterführen kann. Das ist meine Vision. Das ist meine Verantwortung. Das ist mein Versprechen“ – mit diesen großen Worten hatte Siemens-Chef Joe Kaeser im Mai seine „Vision 2020“ vorgestellt. Bis vor ein paar Tagen sah es so aus, als hätte er den Mund zu voll genommen.

Jetzt gelingt es ihm dennoch mit zwei kleinen Coups die Anleger etwas zu besänftigen: Kaeser verkauft den 50-prozentigen Anteil an der ungeliebten Hausgeräte-Sparte BSH und kauft einen amerikanischen Energiespezialisten zu, mit dem er vom Frackingboom in den USA profitieren will.

Vergangene Woche noch hatten mehrere Fondsmanager im Handelsblatt Kaeser zu entschlossenerem Handeln aufgefordert. „Herr Kaeser muss jetzt liefern, die Schonfrist ist vorbei“, sagte Christoph Niesel, Fondsmanager bei Union Investment. Daniela Bergdolt, Geschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, forderte: „So langsam wollen wir einen Kaeser-Effekt sehen.“

Fast ein Jahr ist es inzwischen her, dass Joe Kaeser die Führung von Siemens von seinem früheren Chef Peter Löscher übernommen hat – und einen großen Umbau ankündigte. „Die Siemens AG wird sich künftig entlang der Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung aufstellen“, ließ Kaeser damals mitteilen. Ab 1. Oktober soll die neue Struktur, die er dem Traditionskonzern auferlegt hat, gelten.

Viel Wirkung gezeigt haben seine bisherigen Bemühungen bis dato jedoch noch nicht. Der Umsatz fiel im dritten Quartal um 4 Prozent niedriger aus, der Auftragseingang lag um 3 Prozent unter dem Vorjahresquartal, wie das Unternehmen mitteilte. Vor allem der Energiebereich macht Kaeser Sorgen: „Während wir in den meisten Bereichen gute Fortschritte erzielt haben, steht der Sektor Energy vor anhaltenden Herausforderungen in den nächsten Quartalen.“ Eigentlich wollte Kaeser den Energiebereich mit dem französischen Unternehmen Alstom aufpäppeln. Doch im Juni hatte er gegen GE-Chef Immelt das Nachsehen und verlor den wochenlangen Bieterkampf um das Unternehmen.

Kaeser will sich stärker in die USA orientieren, die Medizinsparte hat er bereits verkleinert, die Zukunft für den Konzern liegt im Geschäft mit anderen Unternehmen – mit dem Verkauf der Hausgerätesparte BSH an Bosch hat Siemens sein Geschäft mit Privatkunden nun restlos aufgegeben. „Mit dem Verkauf unseres BSH-Anteils treiben wir die Fokussierung auf unser Kerngeschäft weiter sehr konsequent voran“, betonte Ralf P. Thomas, Finanzvorstand von Siemens.

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Verkauf des BSH-Anteils ist nur der kleinere Coup

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  • Der Käse Josef wird Siemens an die Wand fahren!
    Wer schon seinen Namen ändert, damit er gefälliger klingt ... hat nicht alle Latten am Zaun!

  • Hier schauen einige Herrschaften zu viel Verschwörungs-TV auf Youtube.

  • Das kann teuer werden. Siemens kauft ein US-Frackinguntenehmen.
    Wenn das Grundwasser am Ende verseucht ist, kommen Schadensersatzansprüche von dreistelligen Milliardenbeträgen auf Siemens zu.

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