Siemens-Korruptionsaffäre
Mit wem wird Ganswindt abrechnen?

Viele ehemalige Vorstandskollegen haben Angst vor Thomas Ganswindt. Der ehemalige Siemens-Manager sitzt wegen der Korruptionsaffäre zwar in Untersuchungshaft, doch mit seinen Aussagen könnte er die einstigen Mitstreiter belasten. Grund genug zur Abrechnung hätte er.

jojo/cha MÜNCHEN. Es ist Mitte November 2002. Zwei Männer mittleren Alters stehen vor einem Karrieresprung. Klaus Kleinfeld, damals 45, und Thomas Ganswindt, zu jener Zeit 41, werden in den Vorstand von Siemens berufen. Beide können sich Hoffnung machen, in naher Zukunft die Nachfolge des 61-jährigen Konzernchefs Heinrich von Pierer anzutreten.

Heute, vier Jahre später, sitzt Kleinfeld tatsächlich auf dem Chefsessel. Ganswindt hingegen sitzt in Landsberg in Untersuchungshaft. Offenbar waren es Aussagen eines ehemaligen Kollegen, die ihn im Zuge der Siemens-Korruptionsaffäre hinter Gitter gebracht haben.

Es gibt in München nicht wenige ehemalige Siemensianer, die Ganswindt schon vor Jahren am liebsten im Knast gesehen hätten. Denn wie kein anderer Top-Manager von Siemens steht er für Jobabbau. Bis er diesen Herbst ging, hatte der Ingenieur mehr als 20 000 Jobs gestrichen, viele davon in der Münchener Hofmannstraße – dem einst größten Werk im ganzen Siemens-Reich. Für viele in der Siemens-Familie war der ehemalige Chef der Netzwerksparte schon lange ein Nestbeschmutzer. Einer, der die konsensorientierte Zusammenarbeit zwischen Arbeit und Kapital aufkündigte, um Rendite einzufahren.

Als er vor einigen Wochen seine Koffer packte, da schien das Kapitel Ganswindt beendet. Doch auf einmal ist der Mann, der seit 1989 für den Konzern arbeitete, wieder ein Thema unter Siemensianern: Was wusste Ganswindt von den schwarzen Kassen, wie es sie in dem von ihm zeitweise geleiteten Kommunikationsbereich (Com) offenbar gegeben hat?

Schon befürchten sie in der Konzernzentrale am Wittelsbacher Platz, Ganswindt könne unter dem Druck der Haft in die Offensive gehen und seine ehemaligen Vorstandskollegen belasten. Grund genug zur Abrechnung hätte er. Die letzten Monate im Siemens-Konzern waren für Ganswindt wenig erfreulich. Seit Frühjahr war klar, dass seine Tage im mächtigen Zentralvorstand gezählt sind. Dort war der Oberhausener zuletzt für die Problembereiche Telekommunikation (Com) und IT-Dienstleistungen (SBS) zuständig. Weil das Kerngeschäft von Com mit Nokia zusammengelegt wird und SBS umgebaut wird, hätte Ganswindt bald ohne Arbeitsgebiet dagestanden. Deshalb wurde wochenlang über die Personalie spekuliert.

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