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17.07.2008 
Schmiergeldprozess

Siemens-Korruptionsbekämpfer belastet Ex-Vorstand

Führende ehemalige Mitglieder des Siemens-Vorstands waren nach Aussage des ehemals obersten Korruptionsbekämpfers des Technologiekonzerns für seine Warnungen wenig empfänglich.

Albrecht Schäfer, früherer oberster Siemens-Korruptionsbekämpfer, sagte am Donnerstag vor dem Landgericht München aus. Foto: dpaLupe

Albrecht Schäfer, früherer oberster Siemens-Korruptionsbekämpfer, sagte am Donnerstag vor dem Landgericht München aus. Foto: dpa

HB MÜNCHEN. Sowohl der frühere Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger als auch Personalchef Jürgen Radomski und Spartenvorstand Thomas Ganswindt hätten auf Berichte und Warnungen nicht reagiert, sagte Albrecht Schäfer am Donnerstag als Zeuge vor dem Landgericht München.

Schäfer sagte, er habe die Spitzenmanager einzeln und in Vorstandssitzungen über auffällige Vorgänge, dubiose Konten und Schmiergeld-Ermittlungen der Behörden in der Schweiz und in Liechtenstein informiert. Er habe mehrfach gewarnt, die Behörden könnten deshalb auch Siemens-Standorte durchsuchen. Neubürgers Anwalt war nicht zu erreichen, der ehemalige Finanzchef erklärt stets, er äußere sich grundsätzlich nicht zu den Vorwürfen.

Trotz der regelmäßigen Berichte und Zwischenmeldungen habe der Vorstand nicht reagiert, sagte der Korruptionsbeauftragte. Radomski habe schließlich auf eine Notiz Schäfers vermerkt: "Was soll das schon wieder? Bitte keine Papiere mehr." Der Anwalt des Personalchefs war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Neubürger, der 2001 über die Anfänge der Strafverfolgung in Nigeria ins Bild gesetzt worden sei, habe von ihm später zusätzliche Angaben über Bartransfers angefordert, über die die Wirtschaftsprüfer der KPMG gestolpert waren. "Wir haben klar gesagt: hier stehen Straftaten im Raum", sagte Schäfer. Die Konzernspitze sei auch über einen Bestechungsfall informiert gewesen, den ein Ermittlungsrichter mit den Worten kommentiert habe: "Korruption ist Bestandteil der Unternehmensstrategie."

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