Mit der Information der Vorstände seien seine Kompetenzen als Chief Compliance Officer erschöpft gewesen, sagte Schäfer. Mehrere von im angestoßene Untersuchungen durch die Revision seien mehr oder weniger im Sande verlaufen. Die Revision der Telekommunikationssparte Com sei sogar zum Ergebnis gekommen, die fragwürdigen Beraterverträge seien in Ordnung. Die Bilanz- und Konzernrevision habe keine Konsequenzen gezogen. "Ich habe den Abschlussbericht natürlich gelesen. Aber sonderlich schlau bin ich daraus nicht geworden."
Schäfer sagte, er habe den für Com zuständigen Vorstand Ganswindt aufgefordert, die schwarzen Konten in die offizielle Rechnungslegung aufzunehmen und alle Beraterverträge fristlos zu kündigen. Die Verträge seien aber weitergelaufen. Später habe er auch die Kündigung des Beratervertrages mit dem nun angeklagten Reinhard Siekaczek verlangt. Das sei aber erst viel später geschehen. Ganswindts Anwalt Michael Rosenthal sagte Reuters: "Das ist nach der gesamten Aktenlage und Kenntnisstand so neu, dass es der Überprüfung bedarf."
Ganswindt hat nach Angaben von Staatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl eingeräumt, 2004 als Bereichsvorstand vom System der schwarzen Kassen erfahren zu haben. Siekaczek sei mit einer Liste von Ländern und Bestechungssummen zu ihm gekommen. Daraufhin habe Ganswindt entschieden: "Siekaczek muss raus." Ganswindt habe schon kurz nach seinem Amtsantritt in der Sparte geahnt, dass es dort Korruption gebe. Allerdings sei er damals primär mit der Sanierung des Com-Geschäfts beschäftigt gewesen, bei der 20 000 Stellen abgebaut wurden. "Da habe ich die Sache schleifen lassen. Ich hatte die Wahl zwischen Pest und Cholera", zitierte ihn die Staatsanwältin aus der Vernehmung.
Siekaczek muss sich vor Gericht wegen der Veruntreuung von 53 Mill. Euro verantworten. Ein Urteil wird Ende Juli erwartet.

