Siemens-Korruptionsskandal
Aufsichtsrat erwartet weitere Enthüllungen

Wer hofft, dass der Siemens-Konzern nach dem Rücktritt von Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer langsam zur Ruhe kommen wird, könnte enttäuscht werden. Siemens-Aufsichtsrat Dieter Scheitor rechnet jedenfalls mit weiteren Enthüllungen im Korruptionsskandal bei dem Münchner Konzern. „Die Lebenserfahrung lehrt, dass der Skandal mit hoher Wahrscheinlichkeit sein Ende noch nicht erreicht hat“, sagte IG-Metall-Vertreter Scheitor der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Dass er damir richtig liegen könnte, zeigen die Spekulationen über die Hintergründe des Rückzugs Pierers. Seither reißen die Spekulationen über die Hintergründe seines Rücktritts nicht ab.

HB MÜNCHEN. In Branchenkreisen wird davon ausgegangen, dass der Druck auf Pierer vor allem durch die möglichen Schmiergeldzahlungen an die Arbeitnehmervereinigung AUB gewachsen war. Dies habe die IG Metall gegen den früheren Vorstandsvorsitzenden aufgebracht, die nach Bekanntwerden der Korruptionsfälle im Ausland in der Kommunikationssparte Com noch zu Pierer gestanden hatte. Pierer betonte im Gespräch mit der „Welt am Sonntag“, es habe in den vergangenen Tagen viele Gespräche mit Aufsichtsräten gegeben. „Aber niemand hat mich aus dem Amt gedrängt.“ Dagegen sagte ein Siemens-Aufsichtsrat dem „Focus“: „Der Druck war so stark geworden, dass wir handeln mussten.“

Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer hatte am Samstag betont, er wolle seinen angekündigten Rücktritt nicht als Eingeständnis einer Mitschuld am Schmiergeldskandal verstanden wissen. „Ich habe nichts von den besagten Zahlungen und Verträgen gewusst“, hatte Pierer am Samstag in München erklärt. Pierer beteuerte erneut, dass er weder von dem System schwarzer Kassen bei Com, noch von den Zahlungen an den AUB-Gründer Wilhelm Schelsky etwas gewusst habe. Der 66-Jährige hatte in der Nacht zum Freitag seinen Rücktritt erklärt und betont, er wolle helfen, das Unternehmen in ruhigeres Fahrwasser zu bringen.

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete dagegen, Pierer solle bei einer Aufsichtsratssitzung früh von dem Vorwurf erfahren haben, Siemens unterstütze die AUB finanziell als Gegenorganisation zur IG Metall. Dies lege das Protokoll einer Aufsichtsratssitzung vom 10. Dezember 1997 nahe. Pierer ließ eine Kenntnis dementieren.

Im Skandal um die Zahlungen an die AUB wurden neue Details bekannt. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth gehe inzwischen davon aus, dass Siemens von 1991 an verdeckt 50 Millionen Euro investiert habe, um die AUB als Gegenstück zur IG Metall aufzubauen, berichtete die SZ. Die Initiative zum Ausbau der AUB sei direkt vom Siemens-Vorstand ausgegangen.

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