Siemens
Löscher: „Die besten Jahre liegen noch vor uns“

Die Gewinnprognose von Siemens für 2009 ist gewagt. Das weiß auch Siemens-Chef Peter Löscher - und deutet im Handelsblatt-Interview an, dass der Konzern seine Erwartungen schon bald nach unten anpassen wird. Außerdem spricht Löscher über die Dauer der weltweiten Krise, Chancen und Risiken in dieser Situation, die finanzielle Ausstattung des Unternehmens und die Managergehälterdiskussion.

Herr Löscher, rund um Siemens bricht die Welt zusammen, die Wachstumsprognosen werden im Wochentakt nach unten korrigiert. Nur Siemens rechnet offiziell im laufenden Geschäftsjahr mit einem Rekordgewinn von 8,0 bis 8,5 Mrd. Euro. Muss die Prognose gesenkt werden oder sind sie immun gegen die Krise?

Wir sind nicht immun, niemand kann sich der Krise entziehen. Wir haben den Vorteil, dass das Energiegeschäft noch sehr robust läuft. Im Industriegeschäft spüren wir die massiven Einbrüche auf der Abnehmerseite. Speziell in kurzzyklischen Geschäften, also in der Industrieautomatisierung, bei Drive Technologies oder bei Osram kommt die Krise auch bei uns mit voller Wucht an. In der Medizintechnik spüren wir die Kostendämpfungsbemühungen im Gesundheitssektor in den USA.

Also ist es an der Zeit, die Prognose nach unten zu korrigieren, wie von fast allen Analysten erwartet?

Als wir die Prognose im vergangenen Sommer aufgestellt haben, gingen Experten von drei Prozent Wachstum der Weltwirtschaft aus. Seither wurden diese Prognosen immer weiter nach unten korrigiert. Im Januar waren wir knapp unter der Nulllinie, jetzt heißt es, die Weltwirtschaft wird um mehr als zwei Prozent schrumpfen. Seit Januar ist das Umfeld somit noch einmal erheblich schlechter geworden. Wir werden die Situation neu bewerten und uns bei Vorlage der Quartalszahlen am 29. April zur Gewinnprognose äußern.

Zwei ihrer drei Standbeine wackeln. Wie lang kann sich die Energiesparte noch gegen den Abwärtssog stemmen?

Wir haben insgesamt eine gute Balance zwischen kurz- und langfristig orientierten Geschäften. Was den Energiesektor angeht, so ist eine Prognose in die ferne Zukunft beliebig schwierig. Keiner in der heute aktiven Generation hat jemals ein Unternehmen durch so eine Krise geführt.

Wann ist die Krise vorbei, sehen Sie schon Licht am Ende des Tunnels?

Wir müssen uns sicherlich auf eine längere Talsohle einrichten. Die entscheidende Frage ist, wann wir wieder ein stabiles, funktionierendes Finanzwesen haben. Es wird sehr lange dauern, bis wir in der Weltwirtschaft wieder Wachstumsraten haben, wie wir sie in den letzten Jahren gesehen haben.

Wie muss das Management in so einer Krise reagieren?

Am wichtigsten ist es, nachhaltig zu handeln. In dieser Krise werden die Starken stärker werden und die Schwachen schwächer. Es geht nicht darum, mit kurzfristigen Maßnahmen zu glänzen. Man muss am Ende der Krise bereit sein für den nächsten Aufschwung. Wir wollen deshalb unsere Mannschaft zusammenhalten und Kompetenzen im Unternehmen sichern.

Heißt das, Sie werden weiterhin auf Entlassungen verzichten, wie Sie es auch der Bundeskanzlerin versprochen haben?

Wir werden alles tun, um auf betriebsbedingte Kündigungen 2009 zu verzichten. Natürlich müssen auch wir uns auf die sinkende Nachfrage einstellen. Aber wir setzen wo nötig in Deutschland auf die Kurzarbeit, die wir sicher ausweiten müssen. Zudem wollen wir die Krise nutzen, um unsere Mitarbeiter weiter zu qualifizieren.

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