Siemens
Löscher glättet Wogen

Siemens-Chef Peter Löscher stattete in dieser Woche der österreichischen Siemens-Tochter einen Besuch ab. Offizieller Anlass war ein Termin mit dem Baukonzern Strabag der nach einem Partner sucht. Inoffiziell führten die Ermittlungen in der Affäre um Schmiergeldzahlungen den Österreicher zu seinen Landsleuten.

WIEN. Der Chef ist gekommen, hat ein paar Aufträge unterschrieben, ist wieder abgerauscht und hat Raum für Interpretationen hinterlassen: Peter Löscher stattete in dieser Woche der österreichischen Siemens-Tochter einen Besuch ab. Offizieller Anlass war ein Termin mit dem Baukonzern Strabag, der einen Partner braucht, um Aufträge in der russischen Schwarzmeerstadt Sotschi abzuarbeiten. Die Stadt wird für die Olympischen Winterspiele 2014 umgebaut; Strabag ist dort dank des russischen Großaktionärs Oleg Deripaska gut im Geschäft.

Die Rede ist von zwölf Mrd. Dollar, die in Sotschi von Strabag, aber auch von anderen wie dem deutschen Baukonzern Hochtief investiert werden. Nun soll sich daran auch Siemens beteiligen können. Inoffiziell stand Löschers Besuch bei seinen österreichischen Landsleuten am vorläufigen Ende einer Kette von Ereignissen, die sich um die für den Konzern heiklen Korruptionsvorwürfe drehen.

Schmiergeldzahlungen sollten, so lautete von Anfang an die Vermutung der Ermittler, über schwarze Konten in Österreich abgewickelt worden sein. Während die österreichische Siemens -Konzerntochter das empört zurückwies, konnten die ermittelnden Staatsanwälte in Deutschland einen Kronzeugen zum Auspacken bewegen, der Namen und Methoden des illegalen Siemens-Systems in Österreich nannte.

Auch der Name Harald Wasserburger tauchte hier auf. Er war zur fraglichen Zeit Bereichsleiter bei Siemens Com in Österreich, jener Sparte, über die viele der Zahlungen gelaufen sein sollen. Inzwischen war er zum Finanzvorstand der Österreich-Tochter aufgerückt. Der Name seines damaligen Chefs, des heutigen Vorstands der Austrian Airlines Alfred Ötsch, stand ebenfalls auf der Liste der Ermittler.

Richtig voran allerdings kamen die internen und externen Kontrolleure bei ihren Untersuchungen in Österreich nicht, worauf die Stimmung zwischen München und Wien frostig wurde und von einer „bockigen“ Tochtergesellschaft die Rede war. Im Oktober teilte Siemens schließlich mit, dass Finanzchef Wasserburger nach nur einem guten Jahr im Amt „auf eigenen Wunsch“ seinen Hut nimmt. Ein Zusammenhang mit Korruptionsvorwürfen wurde zurückgewiesen. Vor diesem Hintergrund dürfte Löschers Besuch Löschers intern vor allem dazu gedient haben, Wogen zu glätten und die ehrgeizige Siemens-Österreich -Chefin

Brigitte Ederer zu besänftigen. Unter ihrer Führung erwirtschaftete die Konzerntochter 2007 mit rund 30 000 Mitarbeitern 7,5 Mrd. Euro Umsatz und ist damit weltweit die Nummer fünf unter den Landesgesellschaften. Das hängt vor allem mit ihrer Zuständigkeit für die osteuropäischen Länder zusammen, wo das Wachstum deutlich über dem westeuropäischen EU-Durchschnitt liegt. Mit Blick die Vorfälle in den vergangenen Monaten verließ Löscher Wien nicht, ohne einen Satz zu hinterlassen, den die Österreicher auch als Ermahnung interpretieren konnten: „Ein korruptes Geschäft ist kein nachhaltiges Geschäft.“

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%