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11.04.2008 

Unternehmenskenner deuten die Aussagen von Pohlmann dahingehend, dass Siemens kurz davor steht, gegen ehemalige Top-Manager juristisch vorzugehen. Der Konzern selbst wollte sich dazu nicht äußern. Der frühere Celanese-Manager Pohlmann ist seit vergangenem Herbst bei Siemens, um den Konzern zu einem Vorbild in Sachen guter Unternehmensführung zu machen. Der 50-Jährige berichtet direkt an den neuen Konzernchef Peter Löscher und Rechtsvorstand Peter Solmssen.

Nach Ansicht von Experten hat Siemens gar keine andere Wahl, als gegen in die Korruption verstrickte Top-Manager vorzugehen. "Die amerikanische Börsenaufsicht SEC erwartet geradezu, dass Unternehmen hart durchgreifen", sagte am Donnerstag Markus Rieder, Partner der Kanzlei Sherman auf der Handelsblatt-Tagung "Unternehmensrisiko Korruption" in Köln. Siemens ist auch in New York an der Börse notiert und wird deshalb von den amerikanischen Behörden wegen der Schmiergeldaffäre genau beobachtet. Siemens droht auch eine hohe Strafe in den USA. Nach Ansicht des Juristen zielt vor allem das amerikanische Justizministerium darauf ab, einzelne hochrangige Persönlichkeiten für Korruptionsfälle in Unternehmen zur Verantwortung zu ziehen.

Eine eigene Ermittlertruppe soll künftig korrupte Systeme oder Betrugsringe im Konzern aufdecken, kündigte Pohlmann an. Eigens dafür hat er einen Abteilungsleiter von Interpol aus Lyon abgeworben, bis Jahresmitte soll die Mannschaft mit etwa einem Dutzend Mitgliedern vollzählig sein und dann in den Siemens-Niederlassungen weltweit ermitteln.

Zum neuen System gehört auch eine so genannte Whistle-Blower-Hotline, die Hinweise auf Korruption und krumme Geschäfte annimmt. Die Anrufe werden in Amerika von einer externen Firma gesammelt und müssen dann binnen 24 Stunden bei speziell geschulten Mitarbeitern am Siemens-Standort Erlangen sein, die die Erkenntnisse auf ihren Gehalt prüfen.

Angst davor, den Aktionären auf künftigen Hauptversammlungen erklären zu müssen, dass Siemens auf Geschäfte verzichtet hat, die nur mit Bestechung möglich gewesen wären und dass deshalb Kurs und Dividende gesunken sind, hat Pohlmann nicht. "Wir werden unsere geschäftlichen Ziele wegen Compliance nicht senken."

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