Siemens-Medizintechnik
„Wir wissen, dass wir einen starken Preis zahlen“

Erich Reinhardt, Chef der Siemens-Medizintechnik, verteidigt die Milliarden-Übernahme von Dade Behring in den USA. Seine Version ist der Aufbau eines voll integrierten Medizinkonzerns, der von der ersten Diagnose bis zur letzten Behandlungsstufe alle Prozesse steuert und verbessert.

MÜNCHEN. Wie viel Geld darf man ausgeben, um Marktführer zu werden? Erich Reinhardt, Vorstand von Siemens und Chef des Bereichs Medizintechnik, hat die Frage in den vergangenen Tagen oft beantworten müssen, intern und gegenüber Investoren. Fast fünf Mrd. Euro hat sich Siemens die Übernahme des amerikanischen Laborspezialisten Dade Behring kosten lassen, beinahe das Zwanzigfache des Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda). Damit ist man nun gleich in mehrfacher Hinsicht Weltspitze.

Teuer sei die Übernahme gewesen, sehr teuer. Das hat Reinhardt in den vergangenen Tagen oft genug zu hören bekommen. „Wir sind uns bewusst, dass wir einen starken Preis bezahlen“, sagte der Med-Chef am Wochenende im Gespräch mit dem Handelsblatt. Aber dieser Preis sei es wert, bezahlt zu werden.

Reinhardt, Professor der Elektrotechnik und Schwabe von Hause aus, ist nicht dafür bekannt, verschwenderisch mit dem Geld von Siemens umzugehen. Dennoch: Argumentationsdruck sieht auch der Chef des seit Jahren erfolgreichen Med-Bereichs. Mehr als zehn Mrd. Euro hat Reinhardt in den vergangen zwei Jahren für den Ausbau seines Bereichs ausgeben dürfen. Er hat die Laborsparte von Bayer gekauft oder den Spezialisten für bildgebende Verfahren CTI, jedenfalls hat er so viel ausgegeben wie kein Siemens-Manager zuvor. „Natürlich müssen Sie begründen können, warum diese Übernahme den Preis wert ist“, sagt Reinhardt.

In den vergangenen Tagen hat er es vor Investoren in der ganzen Welt probiert. Er hat das geschildert, was noch eine Vision ist: den Aufbau des einzigen voll integrierten Medizinkonzerns, der von der ersten Diagnose bis zur letzten Behandlungsstufe alle Prozesse der modernen Medizin steuert und verbessert. „Mit Dade werden wir führend in der Verbindung von klinischer Chemie und Immunodiagnostik, außerdem ist Dade auf kleine und mittlere Labors spezialisiert, dort waren wir bislang nicht vertreten.“

Dann entwirft Reinhardt seine Idee vom Labor der Zukunft, dem im Medizin-Prozess eine zentrale Rolle zukommt. Dort könne man Prozesse automatisieren, Analysemethoden kombinieren und Kunden große Kostenvorteile ermöglichen. „Es geht mir immer darum, Medizin besser und zugleich günstiger zu machen.“

Zurück zu den Milliarden. Experten schätzen, dass Med einen Großteil des Erlöses von 11,4 Mrd. Euro, den Siemens aus dem Verkauf der Autozulieferersparte VDO an Conti erzielt hat, in die Übernahme des Laborspezialisten steckt. Auch intern habe es Erklärungsbedarf gegeben, räumt Reinhardt ein. Schließlich verlangt das vom früheren Konzernchef Klaus Kleinfeld verabschiedete Programm „Fit for 2010“ den Bereichen hohe Kostendisziplin ab. „Es gibt keine Eifersucht“, sagt Reinhardt, im Konzern sei akzeptiert, dass man trotz des hohen Preises zum richtigen Zeitpunkt zugegriffen habe.

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