Siemens muss Kartellprobleme lösen
Turbinenfertigung steht bei VA Tech auf der Kippe

Die Zukunft der Turbinenfertigung wird eines der Hauptprobleme bei der geplanten Übernahme des österreichischen Industriekonzerns VA Tech durch Siemens. Der Grund: Dieser Bereich bezieht bislang seine Aufträge vor allem vom Siemens- Hauptkonkurrenten General Electric (GE). Und die Amerikaner haben signalisiert, dass sie sich zurückziehen werden, wenn Siemens die Übernahme gelingt, sagte gestern eine VA-Tech-Sprecherin. Eine Sprecherin des US-Konzerns wies diese Einschätzung weder zurück, noch bestätigte sie eine solche Strategie.

WIEN/MÜNCHEN. Konkret geht es um die Zukunft von rund 1 000 Mitarbeitern. Ein Teil von ihnen ist im Werk Weiz in der Steiermark damit beschäftigt, im Auftrag von GE Generatorturbinen für Gaskombikraftwerke herzustellen. Der andere Teil wickelt diese Aufträge in der Wiener VA-Tech-Zentrale ab. Die Zusammenarbeit mit den Amerikanern funktioniert seit 1991 und umfasst nicht nur die Produktion der Teile, sondern auch deren Entwicklung. Was mit diesem Geschäftsbereich geschehen soll, lässt Siemens derzeit offen. „Wir reden nicht öffentlich über das Geschäft des anderen“, sagte ein Sprecher von Siemens in Österreich.

Darüber nachdenken muss Siemens allerdings schon. Denn nicht nur der Rückzug von GE steht den Deutschen bevor, wenn sie bei VA Tech einsteigen, sondern auch eine mögliche Entscheidung der österreichischen Wettbewerbsbehörde. Sie muss das Zusammengehen von Siemens mit VA Tech prüfen und dürfte ihr Augenmerk auf die Hydro-Aktivitäten beider Unternehmen legen. In dem Bereich ist bei VA-Tech die Turbinenherstellung integriert.

Aber auch Siemens hat eine solche Sparte. Die Deutschen haben vor einigen Jahren ihre eigenen Wasserkraft-Aktivitäten in ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Voith AG aus Heidenheim in Baden-Württemberg eingebracht. Siemens ist an dem Joint Venture mit 35 Prozent beteiligt, Voith mit 65 Prozent. Das Gemeinschaftsunternehmen kam zuletzt auf knapp 500 Mill. Euro Jahresumsatz und beschäftigt 2 445 Mitarbeiter. Nach Angaben eines Siemens-Sprechers ist bei der Gründung des Joint Ventures Voith zudem zugestanden worden, dass es „eine besondere Rolle“ im Bereich Wasserkraft spiele. Offenbar hat Siemens zugesichert, keine eigenen Aktivitäten aufzubauen. Die Kartellbehörden könnten nun ihre Zustimmung zur Übernahme von VA Tech davon abhängig machen, dass Siemens die Hydro-Sparte abstößt. In Österreich wird bereits darüber spekuliert, dass als Käufer dafür wieder Mirko Kovats in Frage käme, der zwar sein Aktienpaket an der VA Tech bereits an Siemens verkauft hat, aber noch im Aufsichtsrat der österreichischen Gesellschaft sitzt.

Bislang ist das allerdings noch Zukunftsmusik. Zunächst muss Siemens die Mehrheit der VA-Tech-Aktien erwerben. Und da verlangen Aktionäre nach wie vor Nachbesserungen beim Preis. Die Offerte von 55 Euro sei fundamental betrachtet, also mit Blick auf die schlechte Geschäftssituation von VA Tech, zwar in Ordnung, sagt Wilhelm Rasinger vom Wiener Interessenverband für Anleger. Doch er erwarte eine angemessene Übernahmeprämie.

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