0 Bewertungen
22.02.2007 
Geschäft mit Überwachungsanlagen boomt

Siemens profitiert von der Angst vor Terroranschlägen

von Joachim Hofer

Ob in der U-Bahn, auf dem Flughafen oder in der Fußgängerzone: Wer seine eigenen vier Wände verlässt, gerät immer öfter ins Visier von Überwachungskameras. Weil die Angst vor Terroranschlägen groß ist, legt der Markt für elektronische Sicherheitssysteme weltweit zwischen sechs und acht Prozent im Jahr zu.

MÜNCHEN. Experten schätzen, dass 2007 Anlagen für 52 Mrd. Euro installiert werden. Davon profitiert Siemens: Für den Münchener Technologiekonzern ist es eines der am schnellsten wachsenden Geschäftsfelder. Im letzten Geschäftsjahr (30.9.) legte der Umsatz des Unternehmens mit diesen Systemen um mehr als ein Fünftel auf eine Mrd. Euro zu. So soll es auch in Zukunft weitergehen: „Wir wollen wie schon in den vergangenen Jahren deutlich stärker wachsen als der Markt“, sagte Heinrich Hiesinger, Chef von Siemens Building Technologies (SBT), dem Handelsblatt.

In diesem Bereich hat Siemens einen großen Teil seines Geschäfts mit der elektronischen Sicherheit gebündelt. Dazu zählen nicht nur Überwachungskameras, sondern auch biometrische Erkennungsanlagen und Einbruchmelder. So stammen etwa die Videoüberwachung und die Zutrittskontrolle in der Münchener Allianz Arena von SBT.

Der Bereich war in den vergangenen Jahren eines der Sorgenkinder von Siemens. SBT stand zwar nie so schlecht da wie etwa die Kommunikationssparte des Konzerns oder der IT-Dienstleister SBS, die zum Teil tief rote Zahlen geschrieben haben. Doch die Ergebnisse waren meist mager. Nach einigen Umstrukturierungen hat SBT inzwischen fast die von Siemens-Chef Klaus Kleinfeld geforderte Umsatzrendite erreicht. Zuletzt lag die Marge bei 5,9 Prozent, das bis Ende März zu erreichende Ziel sind sieben Prozent. Offenbar ist SBT auf dem Weg, dies zu schaffen. Hiesinger: „Für das laufende Quartal bin ich zuversichtlich.“ Neben den Sicherheitssystemen verkauft SBT Brandschutzlösungen sowie Geräte für die Gebäudeautomation, etwa für Heizung und Lüftung. Der letzte Jahresumsatz lag bei 4,8 Mrd. Euro, ein Plus von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Nach den jüngsten Fahndungserfolgen finden Video-System auch in Deutschland zunehmend Akzeptanz.

Das Geschäft mit der elektronischen Sicherheit ist vor allem in Großbritannien, aber auch in den USA schon lange ein großes Thema. Die Deutschen dagegen waren lange skeptisch. Das hat sich etwas geändert, seit Ende vergangenen Jahres durch Videoaufnahmen Anschlagsversuche aufgeklärt werden konnten. Deshalb rechnet SBT nun auch hier zu Lande verstärkt mit Aufträgen. „Video-Systeme werden auch in Deutschland jetzt eher akzeptiert, weil sie die jüngsten Fahndungserfolge erst ermöglicht haben“, sagt Hiesinger.

Nach Angaben des Branchenverbands ZVEI ist das Geschäft mit Systemen für die Zugangskontrolle in Deutschland im Jahr 2005 um rund fünf Prozent gewachsen. Die Videotechnik legte um knapp vier Prozent zu. Der Markt ist weltweit extrem zersplittert. Die zehn bedeutendsten Anbieter kommen lediglich auf 25 Prozent Marktanteil. Zu den größten Konkurrenten zählen die US-Konzerne Tyco, Honeywell, United Technologies sowie General Electric. In Europa sind vor allem Bosch und Thales aktiv. Siemens selbst hält zwei Prozent Marktanteil, will sich aber verstärken. „Wir kaufen punktuell zu. Uns interessieren vor allem Technologien, die noch am Anfang stehen“, sagt Bereichschef Hiesinger. Zuletzt hat SBT im September und Dezember zwei Softwarefirmen gekauft. Software wird immer wichtiger, um die vielen von den Kameras eingefangenen Bilder auch auswerten zu können.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterKöpfe

„Man muss dem Glück eine Landebahn geben.“  Artikel in Merkliste

Frank Asbeck ist der Chef von Solarworld. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht er darüber, wie er mit einer Autovermietung für Journalisten in Bosnien Geld verdiente, seine seherischen Fähigkeiten als Unternehmer und über Strom für das göttliche Bodenpersonal. Artikel


Anzeige