Siemens-Prozess
Jawohl, Herr General

Legal, illegal? Ganz egal. Mit Ex-Zentralvorstand Johannes Feldmayer steht im AUB-Prozess die ganze Führungskultur bei Siemens vor Gericht. Die Millionenzahlungen an AUB-Chef Wilhelm Schelsky waren gut, weil sie dem Konzern nutzten, hat Feldmayer am ersten Prozesstag ausgesagt: "Ich habe gehandelt. Punkt." Nachgefragt hat er nie.

NÜRNBERG. Wenigstens er darf durch den Haupteingang hinein. Einen Rest Würde darf sich Johannes Feldmayer also bewahren. Blass und mit eingefallenen Wangen betritt der einst so mächtige Siemens-Manager den Saal 600 des Nürnberger Justizgebäudes. Gealtert ist er, seit er Macht und Ansehen verloren hat. Der graue Schnauzbart lässt die Mundwinkel ohnehin nach unten zeigen, doch nun wirkt Feldmayers ganzes Gesicht todernst, eingefroren, maskenhaft.

Als erster Ex-Siemens-Zentralvorstand muss sich der 51-Jährige vor einem Strafgericht verantworten. Andere ehemalige Top-Manager von Deutschlands Industriekonzern par excellance werden ihm wohl folgen. Feldmayers Zahlungen an die arbeitgeberfreundliche Arbeitnehmerorganisation AUB sind zwar nur ein kleiner Teil in der Serie von Schmiergeld-Skandalen. Der tiefe Fall Feldmayers ist aber symptomatisch für das System Siemens - ein Konzern, dem jahrzehntelang alles recht und billig war, was ihm nutzte, und der sich dafür Manager heranzog, die nur selten unbequeme Fragen stellten. Manager wie Johannes Feldmayer.

Ein wenig Licht hat bereits der erste Verhandlungstag in die AUB-Affäre gebracht. Ja, man habe die AUB als Gegenorganisation zur lästigen IG Metall fördern wollen, räumte Feldmayer, der Gestürzte, ein: "Dass das gewollt war, war keine Frage." Aber, nein, Betriebsratswahlen habe man nicht beeinflussen wollen. Das wäre ja verboten. Und im Zentralvorstand sei das Thema nie behandelt worden. Da ging es nur um wirklich große Aufträge mit mindestens dreistelligen Millionensummen, nicht um läppische 30 Millionen Euro für die AUB.

Für eine Woche Untersuchungshaft und eine saftige Anklage haben die 30 Millionen aber gereicht - für Feldmayer. Viele im Umfeld von Siemens und der AUB sehen Feldmayer eher als braven Unternehmens-Soldaten, der aus falsch verstandener Pflichterfüllung die schon vorher bestehende Zusammenarbeit mit AUB-Chef Wilhelm Schelsky fortsetzte und den Vertrag mit ihm abschloss, auf dem die Anklage gründet.

Ein Unrechtsbewusstsein dürfte es auch bei Feldmayer gegeben haben: Die Rechnungen der AUB ließ er sich nach Hause schicken. Ansonsten hätte ja ein IG-Metall-Mitglied in der Poststelle die Überweisungen an Schelsky spitzkriegen und auffliegen lassen können. Auch unterschrieb Feldmayer den Vertrag mit Schelsky allein. Die sonst bei "wesentlichen Verträgen" vorgeschriebene Zweitunterschrift holte er nicht ein.

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