Siemens-Rivale

Katastrophaler Fehlstart für den GE-Chef

Der erste Auftritt von GE-Vorstandschef John Flannery hat es in sich: Der Siemens-Rivale verfehlt die Analystenschätzungen deutlich. Nun muss Flannery energisch gegensteuern.
Update: 20.10.2017 - 19:37 Uhr Kommentieren
Der neue GE-Chef greift im Unternehmen durch: So strich er unter anderem die firmeneigenen Jets. Quelle: Bloomberg
John Flannery

Der neue GE-Chef greift im Unternehmen durch: So strich er unter anderem die firmeneigenen Jets.

(Foto: Bloomberg)

New YorkDie Nachrichten der vergangenen Wochen ließen es schon ahnen: Beim Siemens-Rivalen General Electric hängt der Haussegen schief. Abrupt musste Vorstandschef Jeff Immelt im vergangenen August nach 16 Jahren gehen. Er war wegen der schwachen Aktienkursentwicklung bei Investoren in die Kritik geraten. Kurze Zeit flogen eine Handvoll Spitzenmanager aus dem Konzern. Der neue Boss John Flannery schlachtete seitdem einige heilige Kühe im Unternehmen. So strich der Konzernchef beispielsweise die firmeneigenen Jets.

Jetzt weiß man, warum. General Electric hat am Freitagmorgen US-Zeit die Zahlen für das dritte Quartal veröffentlicht – und verfehlt damit die Erwartungen der Analysten um Längen. Der Gewinn fiel im Vergleich zum Vorjahr um 200 Millionen Dollar auf 1,8 Milliarden Dollar (rund 1,5 Milliarden Euro).

Selbst wenn man einmalige Restrukturierungskosten herausrechnet, ist der Fehlschlag enorm: Der Gewinn je Aktie sank von 33 auf 29 Cent – Experten hatten mit 49 Cent gerechnet. Obwohl die Aktie des Industriekonzerns seit Jahresanfang bereits mehr als ein Viertel ihres Wertes eingebüßt hatte, brach sie nach Bekanntgabe der Ergebnisse nochmals um rund vier Prozent ein. Immerhin erholte sie sich im Laufe des Börsentages aber wieder.

Mit Ausnahme von der Gesundheitssparte und dem Luftfahrtgeschäft fiel der Umsatz in vielen Bereichen. So etwa im Zuggeschäft, das mit knapp 1,1 Millionen Dollar 14 Prozent weniger als im Vorjahr erlöste. Auch das Öl- und Erdgasgeschäft läuft nicht rund. Aufgrund der Übernahme des Ölfeldausrüsters Baker Hughes stieg der Erlös zwar stark. Doch rechnet man die Akquisition heraus, wäre der Umsatz in der Sparte um sieben Prozent gefallen.

Das sind die innovativsten Unternehmen der Welt
48. Platz: Bayer
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Das führende private Wirtschaftsforschungsinstitut der Schweiz, Bakbasel, hat mit Hilfe des Schweizer Patentamts und dessen globalen Datensätzen die Qualität der weltweiten Patente gemessen – und nach Regionen, Ländern und Unternehmen gerankt. Bayer hat insgesamt 2830 solcher Weltklassepatente. Die Leverkusener fokussieren sich immer stärker auf pharmazeutische Produkte. Der Chemieanteil wird dementsprechend kleiner.

Quelle: Bakbasel, IGE

45. Platz: Volkswagen
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Die Wolfsburger sind mit 3037 Patenten der innovativste Autobauer, wenn es um Weltklassepatente geht. Aber die Nummer eins ist VW nur in Deutschland. Andere Hersteller wie Toyota, Nissan, Honda, ja sogar GM und Ford haben sehr viel mehr Weltklassepatente, als Volkswagen.

43. Platz: Continental
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Reifen sind noch immer das Brot-und-Butter-Geschäft des Autozulieferers. Doch Continental hat sich frühzeitig auf hoch-elektronische Systeme rund ums Auto konzentriert und mischt beim autonomen Fahren, den Hybrid- und Elektroantrieben und der wichtigen Batterietechnik mit. Zahl der Weltklassepatente: 3169.

33. Platz: Siemens
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Der Münchener Elektronikkonzern meldet zwar deutschlandweit die meisten Patente an, ist aber mit 4356 Patenten auf Weltklasseniveau „nur“ die Nummer drei in Deutschland.

22. Platz: BASF
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Der Chemiehersteller hat seinen Schwerpunkt in der branchenübergreifenden Grundchemie und entwickelt neue Materialen beispielsweise in der Batterietechnik, der Carbon- und Nanotechnologie. Mit 5076 Weltklassepatenten ist BASF die Nummer zwei in Deutschland.

10. Platz: Bosch
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Innovativstes europäisches Unternehmen ist Bosch mit 8827 Weltklassepatenten. Der Zulieferer dominiert nicht nur in der Automobilindustrie, beispielsweise mit Benzin-Einspritzpumpen und optischen Sensoren, wie sie in Windschutzscheiben eingebaut werden, sondern auch in der Vernetzung von Haus (Smart House) und Städten (Smart City), bei Haushaltsgeräten wie Kühlschränken und Waschmaschinen. Weit vorne mischt Bosch auch in der Batterieforschung mit, etwa bei Systemen, die sich im laufenden Betrieb austauschen lassen.

9. Platz: Intel
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Der Halbleiterhersteller ist vor allem durch seine PC-Microprozessoren bekannt – der Weltmarktanteil liegt bei 80 Prozent. Intel stellt Microchips für Computer her, zum Beispiel Chipsätze für Mainboards, WLAN und Flash-Speicher. Zahl der Weltklassepatente: gut 9000.

Hart traf es die Energiesparte GE Power, die vor allem mit Gasturbinen nur 8,7 Milliarden Dollar erlöste, vier Prozent weniger als im Vorjahr. Der Gewinn brach dabei mit 611 Millionen Dollar um mehr als die Hälfte ein. Die Ergebnisse sind „völlig inakzeptabel“, sagte Flannery auf einer Telefonkonferenz mit Analysten. Die Branche leidet unter Auftragsflaute und Preisdruck, auch Siemens tut sich hier schwer.

General Electric kappt zudem den Ausblick für das laufende Geschäftsjahr drastisch. Für 2017 stellt der Konzern nun nur noch ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 1,05 bis 1,10 Dollar in Aussicht - bislang hatte die Prognose bei 1,60 bis 1,70 Dollar gelegen.

Jetzt steuert Flannery gegen. General Electric soll Geschäftsteile im Wert von insgesamt 20 Milliarden Dollar in den kommenden ein bis zwei Jahren abstoßen. Details nannte der Mischkonzern nicht, Kandidaten dürften aber das Geschäft mit Leuchtmitteln wie LED sein.

Auch senkt Flannery Kosten. Allein im dritten Quartal kürzte das Konglomerat 500 Millionen Dollar. Damit strich der Konzern die Kosten seit Jahresanfang von insgesamt 1,2 Milliarden Dollar. Weit mehr, als Flannerys Vorgänger Immelt für das Gesamtjahr versprochen hatte. Flannery greift durch: Weitere Maßnahmen will er auf einer Präsentation am 13. November bekannt geben.

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