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28.07.2008 
Urteil im Korruptionsprozess erwartet

Siemens: Rückenleiden vom Geldschleppen

von Axel Höpner und Joachim Hofer

Nach zwei Monaten steht der Prozess kurz vor dem Ende. Es wird spannend: Die Staatsanwaltschaft hat eine Bewährungsstrafe für den geständigen Siemens-Manager Reinhard Siekaczek gefordert, die Verteidigung um Milde bei der Strafzumessung für den 57-Jährigen gebeten. Am heutigen Montag entscheidet das Gericht.

Sein Urteil wird mit Spannung erwartet: Richter Peter Noll. Foto: APLupe

Sein Urteil wird mit Spannung erwartet: Richter Peter Noll. Foto: AP

MÜNCHEN. Morgens, kurz vor neun in der Münchener U-Bahnlinie U1. Im Gedränge am Hauptbahnhof fällt der schlaksige Mann mit der legeren Jacke und dem Rucksack nicht weiter auf. Eine Station später steigt er am Stiglmairplatz aus und eilt unbemerkt in den tristen Betonriegel des Justizzentrums. Um 9.30 Uhr sind dann alle Augen auf ihn gerichtet. Wenn Peter Noll in seiner Robe den Gerichtssaal B 173/I betritt, die Haare noch etwas struppig, erheben sich alle im Saal. Der 47-Jährige hat im spektakulärsten deutschen Schmiergeldprozess eine der Hauptrollen. Als Richter soll er im ersten Siemens-Verfahren das Urteil fällen.

Nach zwei Monaten steht die Verhandlung kurz vor ihrem Ende. Am heutigen Montag gibt das Gericht sein Urteil bekannt. Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren und eine Geldstrafe von insgesamt 180 000 Euro für den geständigen Siemens-Manager für den 57-jährigen Reinhard Siekaczek gefordert.

So unprätentiös Noll morgens zum Prozess erscheint, so zurückhaltend führt er auch durch das von einem riesigen Medieninteresse begleitete Verfahren. Unaufgeregt, stets einen leicht ironischen Spruch auf den Lippen. Auch die übrigen Protagonisten halten nichts von übertriebener Selbstdarstellung. Die Stimmung in dem Prozess ist – trotz der gigantischen Dimensionen des Schmiergeldskandals von Siemens – erstaunlich entspannt.

Das Verfahren, das Signalwirkung für die ganze deutsche Wirtschaft haben wird, ist mehr von Anekdoten denn von heftigen juristischen Auseinandersetzungen geprägt. So mancher Verhandlungstag erinnert an eine Episode aus dem königlich-bayerischen Amtsgericht.

Angesichts der Räubergeschichten, die ein Zeuge nach dem anderen ausbreitet, gerät mitunter fast völlig in Vergessenheit, dass für Reinhard Siekaczek viel auf dem Spiel steht. Tagein, tagaus sitzt der ehemalige Siemens-Direktor auf seinem Stuhl, aus Sicht des Richters auf der rechten Seite des schmucklosen Saals. Offenes blaues Hemd, graues Jackett, so nimmt der tief gefallene Manager die Aussagen zur Kenntnis. Distanziert, ohne jede Gefühlsregung. Dieser Mensch, Typ untersetzter Buchhalter, soll der Drahtzieher im Korruptionsgeflecht von Siemens sein?

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