Siemens-Schmiergeldaffäre
Hauptzeuge belastet Ex-Vorstand schwer

Seine Aussage wurde heiß erwartet: Der Verwalter der ehemaligen schwarzen Kassen bei Siemens hat im Schmiergeldprozess ausgesagt und fand klare Worte: Der Ex-Vorstand habe genau von den zweifelhaften Zahlungen gewusst.
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München

Im Schmiergeldprozess gegen den früheren Siemens-Vorstand Thomas Ganswindt ist der Angeklagte von einem wichtigen Zeugen belastet worden. Der Hauptorganisator der schwarzen Kassen sagte am Dienstag vor dem Landgericht München aus, Ganswindt Anfang 2004 über Korruptionsvorgänge informiert zu haben. Der frühere Topmanager bestreitet bislang, die Korruptionspraxis gekannt und weggesehen zu haben.

"Ich habe mit ihm über Schmiergeldzahlungen geredet, zum Beispiel zehn Millionen nach Nigeria, zehn Millionen in die GUS-Staaten, zehn bis 15 Millionen nach Griechenland und andere Staaten", sagte der frühere Siemens-Manager Reinhard Siekaczek.

"Ich habe gesagt, dass ich das Geld nicht mehr auftreiben kann und außerdem verstoßen wir gegen alle möglichen Gesetze", fügte er hinzu. Ein Missverständnis schloss der heute 60-jährige, der die schwarzen Kassen im einstigen Siemens-Telekommunikationsbereich verwaltet hatte, aus: "Es war klar, dass wir gegen Recht und Gesetz verstoßen. Punkt."

In dem Prozess gegen den bislang ranghöchsten Ex-Siemens-Manager hat Ganswindt zwar Versäumnisse in der Korruptionsbekämpfung eingeräumt, bestreitet aber jede konkrete Kenntnis von der Schmiergeldpraxis. Die Staatsanwaltschaft wirft dem einstigen Chef der Festnetzspartevor, von schwarzen Kassen und zweifelhaften Zahlungen gewusst zu haben. Laut Anklage ist er nicht hinreichend dagegen vorgegangen und hat sich einer Verletzung seiner Aufsichtspflicht und mittelbar Steuerdelikten schuldig gemacht. Ganswindt macht seinerseits geltend, den Rauswurf Siekaczeks veranlasst zu haben, nachdem er von Geldflüssen ins Ausland erfahren hatte.

Mehrere von Ganswindts früheren Mitarbeiter sind wegen schwarzer Kassen und Schmiergeldzahlungen für Aufträge in Russland und Nigeria bereits zu Bewährungs- und Geldstrafen verurteilt worden, darunter auch Siekaczek. Ganswindt selbst saß Ende 2006 knapp zwei Wochen in Untersuchungshaft. Der nun angelaufene Prozess wird sich voraussichtlich bis in den September ziehen.

Mit dem Strafverfahren neigt sich die Aufarbeitung der Siemens-Korruptionsaffäre in Deutschland dem Ende zu. Für den Münchener Technologiekonzern ist der Bestechungsskandal, bei dem 1,3 Milliarden Euro in dunkle Kanäle geflossen waren, weitgehend abgeschlossen. Siemens zahlte für Strafen und die interne Aufklärung rund 2,5 Milliarden Euro. Mit den meisten seinerzeit verantwortlichen Vorständen hat sich Siemens auf Schadenersatzzahlungen geeinigt, von Ganswindt fordert das Unternehmen noch fünf Millionen Euro Schadenersatz.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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