Siemens-Schmiergeldaffäre
Von Pierer weist neue Vorwürfe zurück

Der langjährige Siemens-Chef Heinrich von Pierer hat die neuen Vorwürfe in der Schmiergeldaffäre zurückgewiesen. Er habe keinerlei Anweisungen gegeben für Schmiergeldzahlungen irgendwelcher Art, erklärte Pierer über seinen Anwalt Winfried Seibert gegenüber dem Handelsblatt. Von Pierer war zuletzt unter Druck geraten, nachdem ein Manager schwere Vorwürfe gegen ihn erhoben hatte.

MÜNCHEN. Mitte vergangener Woche hatte ein Siemens-Manager laut Justizkreisen bei der Staatsanwaltschaft ausgesagt, Pierer habe ihn und einen Kollegen unter Druck gesetzt, dubiose Provisionen nach Argentinien zu überweisen. Pierer soll dabei Druck gemacht haben, in dem er die Manager aufforderte, sich wie „Soldaten von Siemens“ zu verhalten. „Das Zitat ist absurd“, sagte Seibert, „das ist nicht die Sprache von Dr. von Pierer.“ Dies sei „ein starkes Indiz dafür, dass da einer gewaltig herumfantasiert“.

Erstmals in der Affäre hatte sich Pierer nach dem jüngsten Vorwurf am Freitag direkt bei der Staatsanwaltschaft zu der Affäre geäußert. Dies bestätigte der Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld dem Handelsblatt: „Es hat am Mittwoch eine Aussage gegeben, die Anlass dafür war, dass Herr von Pierer mit seinem Anwalt bei uns erschienen ist.“ Zu den Inhalten wollte sich Schmidt-Sommerfeld nicht äußern. Das Gespräch habe mehrere Stunden gedauert und werde in der kommenden Woche fortgesetzt. Erst, wenn die Gespräche abgeschlossen seien, werde die Staatswaltschaft entscheiden, wie es weitergeht.

Laut Justizkreisen gilt Pierer damit vorerst weiter nicht als Beschuldigter. Ein Siemens-Sprecher wollte die neue Entwicklung mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht kommentieren. Pierer war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Er hat bisher jede Verwicklung in die Affäre bestritten. Über die neuen Vorwürfe hatten auch der „Spiegel“ und die Süddeutsche Zeitung berichtet.

Bei Siemens sind in den vergangenen Jahren 1,3 Milliarden Euro in dunklen Kanälen verschwunden und vermutlich größtenteils im Ausland als Schmiergeld eingesetzt worden. Das System schwarzer Kassen ist größtenteils in der Zeit aufgebaut worden, in der Pierer Vorstandsvorsitzender war.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München
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