Siemens
Systemkonflikt im vierten Stock

Heinrich von Pierer und Klaus Kleinfeld haben viel über den jeweils anderen geredet. Manchmal auch gegeneinander agiert. Und immer deutlicher zeigte sich: Wechselt der Chef an die Spitze des Aufsichtsrats, kann es für den Konzern brenzlig werden – Szenen einer Entfremdung.

MÜNCHEN. Im vierten Stock des Palais Ludwig Ferdinand brennen am Dienstag die Sparlampen bis tief in die Nacht. Am Morgen war schon wieder die Polizei in der Siemens-Zentrale, dann haben sie sogar einen verhaftet. Im vierten Stock, von außen getrennt durch einen Balkon, von innen durch zwei Sekretariate, ein Besprechungszimmer und eine Teeküche, suchen zwei Männer unermüdlich nach einem Ausweg aus dieser heillosen Lage.

Links vom Balkon Klaus Kleinfeld, der CEO, rechts Heinrich von Pierer, der Aufsichtsratschef und Vorgänger des anderen. Eine Zeit lang waren die beiden einander nicht nur räumlich nahe, in letzter Zeit haben sie viel über den anderen geredet. Und manchmal auch gegeneinander agiert.

So hat sich etwas verkeilt im vierten Stock. Wohl auch deshalb ist der Konzern aus München durch die Affären der letzten Monate so in Mitleidenschaft gezogen worden. Erst die Pleite von BenQ, dann der Schmiergeldskandal. Die Verhaftung des Zentralvorstands Johannes Feldmayer wegen des mutmaßlichen Kaufs von Betriebsräten hat die Situation nun dramatisch zugespitzt. „Siemens ist in der Spitze wie blockiert“, sagt einer, der den Konflikt besser kennt als viele andere.

Feldmayer, das war ein Schock. Weit über das Unternehmen hinaus galt der 50 Jahre alte Manager als besonnener wie fachlich versierter Manager und Reorganisator. Und nicht nur das. Er galt als einziger echter Konkurrent von Kleinfeld. Bis vorgestern hielten sich Gerüchte, er gelte als potenzieller Nachfolger, sollte Kleinfeld doch in die Mühlen der Affären geraten. Bis vorgestern.

Im vierten Stock sind die Dinge damit noch schwieriger geworden. Denn Siemens ist trotz aller Skandale auch die Geschichte zweier Männer. Und die ist ziemlich kompliziert. Weil sie beide so sehr an Siemens hängen. Und weil beide den Hang haben, das, was Siemens ausmacht, offensichtlich über die eigene Person zu definieren. Derart einander ähnlich, kann der eine für den anderen schnell zum Problem werden. Und weil von Pierer und Kleinfeld so unterschiedliche Charaktere sind, haben sie auch deshalb Schwierigkeiten miteinander.

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