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16.04.2007 
Kampf gegen Verschwendung

Siemens und RWE helfen Russen beim Energiesparen

von Klaus Stratmann

In Russland wird jährlich etwa so viel Energie verschwendet wie Deutschland insgesamt verbraucht. Das soll sich nun ändern. Für die deutsche Wirtschaft ergibt sich ein lukratives Betätigungsfeld. Erfolgreiche Pilotprojekte gibt es in der Industrieproduktion und im Wohnungsbau.

MOSKAU. Da in Russland Öl, Gas und Kohle im Überfluss vorhanden sind, hat sich bislang kaum jemand Gedanken über deren effizienten Einsatz gemacht. Viktor Christenko, russischer Minister für Industrie und Energie, hat das Problem erkannt und gelobt Besserung: 40 Prozent des gesamten russischen Energieverbrauchs könne man komplett einsparen, räumte er am Freitag beim deutsch-russischen Energieforum in Moskau ein. Die eingesparte Energie wolle man künftig lieber auf den Weltmärkten verkaufen statt sie nutzlos zu verpulvern.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sieht enorme Chancen für die deutsche Wirtschaft. „Russland ist Deutschlands größter Energielieferant. Im Gegenzug könnte Deutschland Russlands größter Lieferant von Technologie zur Steigerung der Energieeffizienz werden“, sagte Glos. Zu den großen Schwachstellen in Russland zählt der hoffnungslos veraltete Kraftwerkspark. Wirkungsgrade um die 20 Prozent sind noch an der Tagesordnung. Moderne Stein- und Braunkohleanlagen erreichen dagegen Wirkungsgrade von deutlich mehr als 40 Prozent. Die russische Regierung geht davon aus, dass in den nächsten Jahren Investitionen im hohen zweistelligen Milliardenbereich fällig werden, um die Uralt-Technik auf Vordermann zu bringen.

Deutsche Unternehmen sind dabei. So kündigte Siemens am Freitag an, man wolle mit einem lokalen Partner Gasturbinen herstellen. Von Siemens soll die Technologie für die 25-Megawatt-Turbinen kommen, während das russische Unternehmen Nevsky Zavod die Teile bereitstellen, diese zusammenbauen und den Einbau sicherstellen soll. Der RWE-Konzern arbeitet bereits mit dem russischen Stromunternehmen RAO zusammen. „In einem gemeinsamen Pilotprojekt werden wir zunächst das Potenzial zur Verbesserung der Energieeffizienz in einem Kraftwerk von RAO ermitteln. Auf Basis der Ergebnisse wird dann entschieden, welche Effizienzsteigerungsmaßnahmen umgesetzt werden“, sagte RWE-Chef Harry Roels. Der Clou: Als Gegenleistung für die entstehenden Emissionsreduktionen erhält RWE Emissionszertifikate. Das Kyoto-Protokoll sieht diesen Mechanismus ausdrücklich vor. RWE wartet allerdings noch darauf, dass die russische Regierung das Projekt anerkennt.

Enorme Einsparpotenziale stecken außerdem im Bereich der Öl- und Gasförderung. So entweichen in Russland jährlich Milliarden von Kubikmetern Gas ungenutzt. Und in sämtlichen Bereichen industrieller Produktion liegt der Energieeinsatz je produzierter Einheit wesentlich über den Werten in Westeuropa.

Die Deutsche Energieagentur (Dena) versucht mit verschiedenen Pilotprojekten in Russland, die Effizienz auch im Wohngebäudebereich zu erhöhen. In einzelnen Fällen konnte sie bereits Energieeinsparungen von bis zu 80 Prozent realisieren. Die russische Regierung zieht die Konsequenzen aus den Projekten der Dena: Sie will verbindliche Standards im Wohnungsbau einführen und die Preissubventionierung einstellen.

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