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US-Medizintechnik-Standort wird erweitert

Siemens investiert rund 300 Millionen US-Dollar in die Erweiterung des Medizintechnik-Standortes im US-Bundesstaat Massachusetts. Insgesamt werden dadurch rund 700 neue High-Tech-Jobs geschaffen.
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Das Münchener Unternehmen investiert in den USA rund 300 Millionen US-Dollar. Quelle: Reuters
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Das Münchener Unternehmen investiert in den USA rund 300 Millionen US-Dollar.

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Walpole/MünchenMehr als 50.000 Mitarbeiter beschäftigt Siemens bereits in den USA – und es sollen noch mehr werden. Diese Botschaft schickte der Technologiekonzern am Ende einer mehrtägigen USA-Reise des kompletten Vorstands auch ins Weiße Haus. Am Freitag wurde der Grundstein gelegt für eine Erweiterung des Medizintechnik-Standorts Walpole. Siemens will 300 Millionen Dollar investieren und in den kommenden zehn Jahren bis zu 700 High-Tech-Arbeitsplätze schaffen.

Der Siemens-Vorstand tagt regelmäßig einmal im Jahr an einem Auslandsstandort. Diesmal waren die USA an der Reihe, und die Siemens-Manager nutzten die Gelegenheit zu vielen Gesprächen mit Politikern unterhalb von Präsident Donald Trump. Denn Senatoren und andere Mandatsträger wissen das Engagement ausländischer Konzerne, die in ihren Wahlkreisen Arbeitsplätze schaffen, zu schätzen. Governor Charlie Baker begrüßte das Investment von Siemens denn auch. Dank Firmen wie Siemens bleibe Massachusetts einer der führenden Standorte in den sogenannten Life Sciences.

Ein Weltkonzern in stetem Wandel
1847
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Werner von Siemens wurde 13. Dezember 1816 in Niedersachsen geboren. Nach der Konstruktion des Zeigertelegrafen gründet er im Oktober 1847 zusammen mit dem Feinmechaniker Johann Georg Halske die „Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske“ in Berlin. Der heutige Siemens-Chef Joe Kaeser betont gern, dass der Konzern in Berlin in einem Hinterhof gegründet wurde, als es im Silicon Valley noch gar keine Garagen gab. Auch Siemens war einmal ein Start-up, soll das heißen.

1866
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Die Entdeckung des dynamoelektrischen Prinzips im Jahr 1866 legt die Basis für den Einsatz der Starkstromtechnik. Die Elektrifizierung ist bis heute neben der Industrieautomatisierung und der Medizintechnik zentrales Standbein des Technologiekonzerns.

1879
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Auf der Berliner Gewerbeausstellung 1879 präsentiert Siemens & Halske die erste elektrische Eisenbahn der Welt mit Fremdstromversorgung. Heute macht Siemens mit Hochgeschwindigkeitszügen, U-Bahnen und anderen Zügen Milliardenumsätze. Die Sparte wurde durch den Kauf des Bahngeschäfts des britischen Invensys-Konzerns zudem in der Signal- und Leittechnik gestärkt. Allerdings ist die langfristige Zukunft der Sparte offen, Siemens hatte sich schon öfter nach Partnern umgesehen, um zum Beispiel einen europäischen Bahnchampion nach dem Vorbild von Airbus zu formen. 1903 werden die Starkstromabteilungen von Siemens & Halske mit der Elektrizitäts-Aktiengesellschaft vorm. Schuckert & Co. zur Siemens-Schuckertwerke GmbH fusioniert.

1919
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1919 schließen sich die führenden Glühlampenhersteller Deutschlands zur Osram GmbH KG zusammen. Siemens & Halske ist mit 40 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen beteiligt. Später wird Siemens Alleineigentümer von Osram – bis sich der Konzern entschied, die Tochter an die Börse zu bringen. Noch hält Siemens 17,5 Prozent an der Osram Licht AG, wird sich aber wohl in absehbarer Zeit auch von dieser Restbeteiligung trennen.

1932
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1932 gründet Siemens zusammen mit der Erlanger Firma Reiniger, Gebbert & Schall die Siemens-Reiniger-Werke AG. Das Joint Venture entwickelt sich rasch zu einer führenden elektromedizinischen Spezialfirma. Die Medizintechnik gilt heute als Ertragsperle im Konzern. Vorstandschef Joe Kaeser hat angekündigt, sie an die Börse zu bringen. Mit einem Wert von 25 bis 30 Milliarden Euro könnte sie den Einzug in den Dax schaffen. Während des Zweiten Weltkriegs beschäftigt Siemens auch Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge in seinen Werken. Zu Kriegsende ist auch Siemens in der Existenz bedroht. Die meisten Gebäude und Werksanlagen sind zerstört, das Vermögen wird konfisziert.

1945
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Teile der Unternehmensführung werden noch im Februar 1945 nach München, Mülheim a.d. Ruhr und Hof verlagert. Siemens & Halske bekommt den Hauptsitz in München, die Siemens-Schuckertwerke in Erlangen. Berlin bleibt jeweils zweiter Firmensitz. In diesem Jahr eröffnete Konzernchef Joe Kaeser die neu gebaute Konzernzentrale am Wittelsbacher Platz in München.

1966
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Die Unternehmensteile werden zusammengelegt. Zum 1. Oktober 1966 wird die Siemens Aktiengesellschaft gegründet. 1969 gründen Siemens und die AEG die Kraftwerk Union AG. Im Jahr 2001 ging Siemens auch an die US-Börse. 2014 kündigte der Konzern aber den Rückzug von der Wall Street an. Die Kosten für eine US-Notierung sind hoch, der Nutzen aber überschaubar.

Walpole ist für Siemens Healthineers ein wichtiger Entwicklungs- und Produktionsstandort in der Labordiagnostik, die USA sind der wichtigste Medizintechnik-Markt. Das Gesundheitswesen verändere sich gerade überall in der Welt – und das berge Chancen für Siemens, sagte der zuständige Vorstand Michael Sen. Seine Kollegin Lisa Davis betonte: „Siemens macht seit mehr als 160 Jahren Geschäfte in den USA.“

Dabei liefere man nicht einfach nur Produkte, sondern wolle sie auch in den USA für die USA entwickeln und produzieren. Eine Botschaft an Trump und dessen „America-First“-Politik. Laut Unternehmensangaben nutzen acht von zehn US-Krankenhäusern Siemens-Medizintechnik.

Siemens hat die Medizintechnik unter dem Namen Healthineers verselbstständigt. Geplant ist eine Börsennotierung – womöglich in den USA. Im vergangenen Geschäftsjahr machte die Division 13,5 Milliarden Euro Umsatz.

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