Löscher räumt auf: Der neue Konzernchef kündigte Immobilienverkäufe in drestelliger Millionenhöhe an. Außerdem erhöht er den Druck auf die Unternehmen, an denen Siemens beteiligt ist. Doch all das kann den Kursverlust der Aktie bisher nicht stoppen.
jojo. MÜNCHEN. Der neue Siemens-Chef Peter Löscher lässt keinen Stein auf dem anderen. Gerade erst hat der Manager das Kerngeschäft des Münchener Konzerns neu geordnet, jetzt macht er sich an die Randbereiche heran. Auf einer Investorenkonferenz in New York kündigte Finanzvorstand Joe Kaeser gestern an, das Unternehmen werde dieses Jahr Immobilien für einen größeren dreistelligen Millionenbetrag verkaufen.
Darüber hinaus machte er Druck auf Beteiligungen wie Fujitsu Siemens Computers (FSC) und Nokia Siemens Networks (NSN). Die Unternehmen müssten genauso gute Ergebnisse abliefern wie die anderen Siemens-Bereiche, unterstrich Kaeser vor den Anlegern. Der Münchener Computerhersteller FSC und der in Finnland beheimatete Telekomausrüster NSN sind von den Margen im Kerngeschäft derzeit aber noch weit entfernt.
Die Beteiligungen müssten in ihrer jeweiligen Branche zu den leistungsfähigsten und finanziell effizientesten Anbietern gehören. „Wir werden das Beste im Sinne unserer Aktionäre tun“, sagte Kaeser. Damit ließ der Manager bewusst offen, ob die Firmen auch in Zukunft noch zu Siemens gehören oder abgestoßen werden.
Damit noch nicht genug. Die „sonstigen operativen Aktivitäten“, im Wesentlichen der Telefonhersteller Siemens Home and Office Communication Devices, würden „fundamental restrukturiert“. Der Unternehmensteil werde entweder in das Kerngeschäft eingegliedert, verkauft oder geschlossen. Je nachdem, was damit geschehe, sei mit Belastungen oder Erlösen zu rechnen, sagte Kaeser. Dies soll bis Oktober 2009 abgeschlossen sein.
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Erst zu Beginn dieses Jahres hat Konzernchef Löscher das Kerngeschäft neu organisiert. Seither gibt es drei sogenannte Sektoren: das Industriegeschäft, die Energiesparte und den Gesundheitsbereich. Zudem hat der gebürtige Österreicher den Vorstand komplett umgebaut.
Löscher reagierte damit auf den Korruptionsskandal, der dem Konzern seit mehr als einem Jahr zu schaffen macht. Im Zuge der Affäre sind voriges Jahr bereits Vorstandschef Klaus Kleinfeld und Heinrich von Pierer, der Chef des Aufsichtsrats, zurückgetreten.
Kommende Woche wird Löscher nicht nur die Zahlen für das abgelaufene Quartal vorlegen. Der Manager wird anlässlich der Hauptversammlung auch die neuen Renditevorgaben für den Energie- und Industriesektor in den nächsten zwei Jahren vorstellen. Darüber hinaus werden die Margenziele für die 15 Divisionen unterhalb der Sektoren genannt.
Die Anleger ließen sich gestern von Kaesers Aussagen allerdings nicht beeindrucken. In einem schwachen Umfeld gab der Aktienkurs mehr als ein Prozent nach auf rund 97,30 Euro. Zum Vergleich: Zu Löschers Amtsantritt im vergangenen Juli notierte das Papier noch bei rund 110 Euro.

