Siemens-Vorstand
Reitzle will nicht unter Cromme arbeiten

Bei Siemens geht es weiter drunter und drüber. Angeblich will Aufsichtsratschef Gerhard Cromme weitere Vorstandsmitglieder austauschen. Sein Favorit für den Vorsitz, der Linde-Chef Wolfgang Reitzle, wolle aber nicht unter ihm Siemens-Chef werden, heißt es.

HB FRANKFURT. Die Spekulationen um den Kurs von Siemens und die künftige Zusammensetzung der Konzernspitze nehmen kein Ende. Unter anderem heißt es in Medien-Berichten, dass weitere wichtige Führungspersönlichkeiten ihre Verantwortung für das nach Benq-, Betriebsrats- und Korruptions-Affäre ins Schlingern geratene Unternehmen abgeben sollen oder wollen. Außerdem sollen persönliche Vorbehalte von Spitzenmanager untereinander einen Neuanfang blockieren.

Nachdem bereits Mitte der Woche die Rede davon war, der neue Aufsichtsratschef Gerhard Cromme wolle mindestens sieben Vorstandsmitglieder des Unternehmen ablösen, wartet nach Darstellung der „Wirtschaftswoche“ nun das wichtige Aufsichtsratsmitglied Josef Ackermann auf die nächste Gelegenheit, sich aus dem Kontrollgremium zurückzuziehen. Der Deutsche-Bank-Chef „wird wohl spätestens im Januar 2008 den Aufsichtsrat von Siemens verlassen“, zitierte das Blatt ein nicht genanntes Mitglied des Gremiums. Dazu hieß es bei Siemens lediglich, dass die Wahlperiode des Aufsichtsrates im Januar ende.

Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ will Cromme schon in wenigen Wochen einen Nachfolger des im Herbst ausscheidenden Vorstandsvorsitzenden Klaus Kleinfeld präsentieren. Neben zwei externen Spitzenmanagern solle möglichst auch ein Siemens-Manager in die engere Auswahl gelangen. In Frage käme eine im Ausland tätige Führungskraft, die in die aktuelle Bestechungs- und Schmiergeldaffäre nicht verstrickt sei. Mit dem aufwendigen Auswahlverfahren wolle sich Cromme auch gegen mögliche Vorwürfe wappnen, der Aufsichtsrat habe bei der Besetzung des Postens nicht alle Möglichkeiten ausgelotet.

Als Top-Favorit gilt bei Cromme laut „Spiegel“ nach wie vor Linde-Chef Wolfgang Reitzle. Allerdings müssten die Großaktionäre von Linde, die Allianz, die Commerzbank und die Deutsche Bank, zuerst einen Nachfolger für Reitzle finden, bevor er zu Siemens wechseln könnte. Im Gespräch für den Siemens-Job sollen außerdem ABB-Chef Fred Kindle und Bosch-Chef Franz Fehrenbach sein. Das Nachrichtenmagazin „Focus“ meldete indessen, Reitzle habe sich intern bereiterklärt, den Vorsitz des Siemens-Vorstandes zu übernehmen. Er stelle jedoch die Bedingung, den Posten nicht unter einem Aufsichtsratsvorsitzenden Cromme antreten zu müssen. Stattdessen wolle Reitzle den Linde-Aufsichtsratschef Manfred Schneider an der Spitze des Siemens-Aufsichtsratsgremiums platzieren. Beim Siemens-Konzern wollte man zu diesen Berichten nicht Stellung nehmen.

Wie die „Wirtschaftswoche“ berichtet, haben Berater Entwürfe für die Verschlankung des Unternehmens ausgearbeitet. Danach soll der zehnköpfige Vorstand abgeschafft und ein Holding-Vorstand – mit wahrscheinlich drei Mitgliedern – eingerichtet werden. Die bisher zwölf Geschäftsbereiche sollten aufgelöst und durch drei Sparten ersetzt werden: Infrastructure, Industry, Healthcare. In dieser Konzernstruktur sollten die bisherigen Teilkonzerne wie Power Generation oder Industrial Solutions in Einzelteile zerlegt und neu zugeordnet werden. Mit dieser neuen Struktur wolle Cromme auch den Ermittlungsbehörden in den USA, die den Korruptionsfällen nachgehen, signalisieren: Bei dem Konzern wird aufgeräumt – personell und strukturell.

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