Siemens-Vorstand Sharef im Zeugenstand
Siemens entscheidet nach Prozess über Schadenersatzklage

Die Siemens AG hat bislang keinen Schadenersatz von ihrem unter Korruptionsanklage stehenden Ex-Finanzchef der Kraftwerkssparte verlangt. In dem Darmstädter Prozess gegen den Manager muss erstmals auch ein Mitglied des Siemens-Zentralvorstandes aussagen. Doch der gibt sich vorsichtig.

HB DARMSTADT. Über eine möglich Schadenersatzklage werde erst nach dem Urteil im aktuellen Prozess gegen den Mann entschieden, sagte Siemens-Vorstandsmitglied Uriel Sharef am Dienstag vor dem Darmstädter Landgericht. Zu diesem Zeitpunkt sollten zudem die Ruhestands- und Übergangsgelder des angeklagten Managers in Millionenhöhe noch einmal überprüft werden.

Der heute 63 Jahre alte Andreas K. hatte bei seinem Ausscheiden im Sommer 2004 die vollen Bezüge erhalten, obwohl es bereits deutliche Hinweise auf seine Verantwortlichkeit für Schmiergeldzahlungen nach Italien gab. Allein an Übergangsgeldern erhielt er über 1,7 Mill. Euro und bezog weiter Ruhestandsgehälter von Siemens. Der damalige Bereichsvorstand K. hatte laut Gericht zum Zeitpunkt des Aufhebungsvertrages bereits ein Geständnis bei der Staatsanwaltschaft abgelegt. Er hat zugegeben, bei einem Kraftwerksgeschäft Schmiergeldzahlungen von über sechs Mill. Euro an zwei Manager des italienischen Energieversorgers Enel veranlasst zu haben.

Davon habe er damals nicht gewusst, sagte der nicht vereidigte Zentralvorstand Sharef, der bei Siemens unter anderem für die Bereiche Energieerzeugung und -Übertragung zuständig ist, im Zeugenstand. Die sehr schnelle Trennung von K. sei wegen „Unzulänglichkeiten in der Buchführung“ und intransparenter Finanzen bei dem Italiengeschäft erfolgt. K. hatte nach eigener Aussage auf ältere schwarze Kassen seines Geschäftsbereichs zurückgegriffen, über die er allein habe verfügen können. Er ist gemeinsam mit einem ebenfalls geständigen Helfer wegen Bestechung und Untreue angeklagt. Einen Zusammenhang zu anderen Korruptionsfällen bei dem Elektro- Konzern wurde in dem Prozess bislang nicht erkannt.

Die Höhe des Schadens für Siemens ist vor der Wirtschaftskammer umstritten. Nach Bekanntwerden der Korruption hatte der Münchner Konzern der Enel neben 20 Mill. Euro direkter Entschädigung kostenlose beziehungsweise deutlich reduzierte Lieferungen von Turbinenschaufeln zugesagt und auf einen exklusiven Wartungsvertrag verzichtet. Ein eventuell bei Siemens verbliebener Gewinn könnte an den Staat fallen, weswegen das Unternehmen zu dem Prozess beigeladen ist. Sharef hielt sich mit einer Bewertung des Schadens zurück. Dies sei Sache von Experten, meinte der 62-Jährige, der seit sieben Jahren den Bereich Energieerzeugung verantwortet.

Der Prozess wird am kommenden Dienstag fortgesetzt. Ein Urteil ist nach dem Zeitplan der Kammer nicht vor Mitte Mai zu erwarten.

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