Siemens
„Wir wollen unsere Leistungsträger halten“

Siemens-Industriechef Heinrich Hiesinger erklärt im Handelsblatt-Interview, warum eine Erholung der Märkte seiner Meinung nach noch lange nicht in Sicht ist und auch das Konkunkturprogramm der Regierung sich bei Siemens wohl erst ab 2010 auswirken wird. Außerdem äußert er sich zu Kurzarbeit, der drohenden Kreditklemme und Zukäufen.

Handelsblatt: Herr Hiesinger, bei Ihren Industriekunden bricht reihenweise das Geschäft ein. Da kann es bei Ihnen ja nicht gut laufen.

Heinrich Hiesinger: Wir sind der Sektor von Siemens, der momentan die Krise am stärksten zu spüren bekommt. Wo unsere Kunden schwache Märkte haben, sehen auch wir als Industrieausrüster weiterhin konjunkturelle Bremsspuren. Wie bereits mehrfach von uns berichtet, gibt es zum Beispiel deutliche Rückgänge in den Geschäften mit unseren Kunden in der Autoindustrie oder im Maschinenbau.

Wie steuert Siemens dagegen?

Wir stärken das Servicegeschäft und gehen im Vertrieb differenziert vor, um unsere Chancen in den noch wachsenden Industriemärkten zu nutzen. Dazu zählen beispielsweise China oder ausgewählte Märkte im Nahen und Mittleren Osten. Gleichzeitig haben wir im Unterschied zu vielen Konkurrenten bereits weit vor Beginn der Krise begonnen, die Fixkosten deutlich zu senken. Der rechtzeitige Stellenabbau in der Verwaltung und in Teilen der Produktion hilft uns heute gewaltig. Zudem haben wir die Investitionen deutlich zurückgefahren, die in die Ausweitung von Kapazitäten gegangen wären. Wir investieren aber weiterhin fokussiert in Forschung und Entwicklung. Da werden wir keine Kompromisse machen.

In welchen Ihrer Geschäftsbereiche sind die Einbrüche derzeit besonders heftig?

Es sind besonders die Divisionen betroffen, die keinen längerfristigen Auftragsbestand haben, wie Osram und das Geschäft der Industrieautomatisierung.

Sprechen wir da wie bei anderen Unternehmen von Einbrüchen von 40, 50 oder 60 Prozent?

Wir hatten ja bereits im Dezember letzten Jahres mitgeteilt, dass wir im Sektor Industrie für 2009 einen Auftragseingang deutlich unter Vorjahr erwarten. Wie für unser erstes Quartal berichtet, lagen die Rückgänge der kurzzyklischen Geschäfte bisher im prozentual niedrigen zweistelligen Bereich.

Fehlen vor allem neue Aufträge oder gibt es auch Stornierungen?

Stornierungen in signifikanter Größenordnung sehen wir bislang nicht. Manche Kunden besprechen aber mit uns, ob man Bestellungen zeitlich verschieben oder die Fertigstellung strecken kann.

Liegt das auch an Finanzierungsproblemen?

Ganz vereinzelt. Dann finden wir aber eine Lösung - entweder in Zusammenarbeit mit einer Bank oder im Einzelfall unterstützen auch wir Schlüsselkunden bei der Finanzierung.

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