Siemens-Zug Velaro
Von Krefeld in die Welt

Der neue ICE rollt bereits auf Deutschlands Straßen, drin steckt die Arbeit von Hunderten deutschen Unternehmen. Die meisten Fahrzeuge des Modells Velaro gingen bisher aber nach China.
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KrefeldWas in Deutschland als ICE auf der Schiene ist, fährt mit anderer Ausstattung auch in China, Russland, Spanien und der Türkei. Hinter dem Zug-Modell Velaro steht der Hersteller Siemens. Insgesamt 126 Züge der Velaro-Familie hat der Konzern bislang geliefert – und das bei einem Durchschnittspreis von 30 Millionen Euro pro Fahrzeug. Geschätzte 3,7 Milliarden Euro hat das Unternehmen mit dem Fahrzeugtyp umgesetzt.

Die meisten Fahrzeuge gingen nach China: Das Land kaufte 60 Velaro-Züge, mittlerweile stellt das Land die Züge selbst her – zum größten Teil mit Siemenskomponenten. Ein Drittel der Weltbevölkerung lebt hier und das wird auch auf der Schiene deutlich: Die chinesische ICE-Variante kann 1060 Fahrgäste mitnehmen. Das sind mehr als doppelt so viele Sitzplätze wie im deutschen Velaro, der 444 Passagiere transportiert.



Doch auch in anderen Ländern gibt es Sonderwünsche: In Spanien hat der Zug nicht nur erste und zweite Klasse, sondern einen abgetrennten Deluxe-Bereich mit Lounge und Konferenztisch. Außerdem ist die Klimaanlage für andalusische Temperaturen doppelt ausgelegt. Eine Spezial-Ausstattung gab es auch für die russische Witterung: Der Velaro RUS musste für Temperaturen bis zu -40 Grad extra isoliert werden.

An dem Geschäft mit den schnellen Zügen verdient jedoch nicht nur Siemens. Allein am Velaro sind mehrere hundert Zulieferer sind beteiligt, 90 Prozent davon haben ihren Sitz in Deutschland. Von der Vakuum-Toilette bis zur Zugbremse, vom Teppich bis zum Fahrertisch: Die Unternehmen der Schienenbranche sind hochspezialisiert.
Ihre Komponenten gehen nach Krefeld, zumindest wenn der Kunde Siemens heißt. Rund 2400 Beschäftigte bauen hier die Schienenfahrzeuge für den Konzern. Auch die Züge der Velaro-Familie haben die dortigen Tore passiert. Die Auftragsbücher in Krefeld sind für die nächsten Jahre gefüllt und haben einen Wert von mehreren Milliarden Euro. Ein finanziell starker Trost für den Stress mit dem deutschen Velaro.

Denn der letzte deutsche ICE-Auftrag ist ein unliebsames Kapitel bei Siemens. 2008 bestellte die Deutsche Bahn 16 neue ICEs, der Liefertermin wurde für 2011 vereinbart. Mit über zwei Jahren Verspätung – wurden im letzten Winter die ersten bestellten Züge auf die Schiene gebracht. Noch immer fehlen neun. Das führt zu entsprechend negativen Schlagzeilen in der Presse.

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