Sika und Saint-Gobain
Rekordergebnis soll Übernahme verhindern

Der Schweizer Chemiekonzern Sika kann sich im Übernahmekampf mit Saint-Gobain mit einem Rekordergebnis wehren. Die Sika-Familie will den Verkauf über Gerichtsbeschlüsse durchsetzen.
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ZürichIm Abwehrkampf gegen die französische Saint-Gobain kann der Schweizer Sika -Konzern mit einem Rekordergebnis punkten. Das Bauchemieunternehmen steigerte den Gewinn 2014 um 28 Prozent auf 441 Millionen Franken (410 Millionen Euro) und übertraf damit die Analystenerwartungen. Die Anleger griffen zu und die Aktien verteuerten sich um zwei Prozent. Bereits in den vergangenen Jahren hatte sich Sika an der Börse dank eines starken Gewinnwachstums deutlich besser entwickelt als Saint-Gobain. „Das ist der Beweis, dass Sika keinen strategischen Aktionär braucht“, erklärte Verwaltungsratspräsident Paul Hälg am Freitag auf der Jahrespressekonferenz.

Saint-Gobain hatte im Dezember angekündigt, das Aktienpaket der Sika-Gründerfamilie Burkard für 2,75 Milliarden Franken zu kaufen. Die Burkards haben zwar nur einen Kapitalanteil von 16 Prozent, aber einen Stimmenanteil von 52 Prozent. Damit können sie den Verwaltungsrat mit eigenen Vertretern besetzen und so mit einem vergleichweise geringen Kapitaleinsatz die Kontrolle über Sika übernehmen.

Das versuchen Hälg und die Konzernleitung um CEO Jan Jenisch mit allen Mitteln zu verhindern. Eines ihrer Hauptargumente lautet: Im Mörtelgeschäft, dem wichtigsten Wachstumstreiber von Sika, sind die Schweizer und Saint-Gobain scharfe Konkurrenten. Hälg befürchtet, dass sein Geschäft vom neuen Eigentümer benachteiligt wird und die Minderheitsaktionäre damit das Nachsehen haben könnten. Mit seiner Argumentation hat Hälg bereits viele Aktionäre hinter sich scharen können, darunter auch die Stiftung von Microsoft -Gründer Bill Gates und viele Schweizer Pensionskassen. „Wir haben mittlerweile leicht über 50 Prozent des gesamten Kapitals hinter uns“, erklärte der Präsident.

Wer bei dem Ringen um die Kontrolle als Sieger vom Platz geht, hängt nicht nur von den Aktionären von Sika und Saint-Gobain ab. Die Sika-Gründerfamilie will den Verkauf über Gerichtsbeschlüsse und die Schweizer Übernahmekommission durchsetzen. Hälg rechnet in kommenden Monat mit Entscheidungen. Gut möglich ist Juristen zufolge allerdings, dass die unterlegene Partei die nächste Instanz anruft. Damit könnte sich der Streit noch über Monate hinziehen.

Obwohl Sika die ambitionierten Wachstumsziele bestätigte, dürften bei den Aktien des Unternehmens die Bäume deshalb vorerst nicht mehr in den Himmel wachsen. „Sika ist operativ in der besten Verfassung die sie je war“, erklärte Vontobel-Analyst Christian Arnold. „Da ist es unglücklich, dass die hohen Risiken in Zusammenhang mit der geplanten Akquisition von Saint-Gobain das Aufwärtspotential begrenzen.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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