Siltronic
Chinesen sagen weiteren Deal in Deutschland ab

Nach dem geplatzten Aixtron-Deal hat sich auch eine Mehrheitsbeteiligung von chinesischen Investoren an Siltronic zerschlagen. Der wachsende Widerstand in Deutschland und den USA, Technologie abzugeben, irritiert China.
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Peking/MünchenChinesische Investoren haben ihre Bemühungen um den Halbleiter-Zulieferer Siltronic aufgegeben. Die National Silicon Industry Group (NSIG) hatte nach Berichten eine Mehrheitsbeteiligung an den Münchnern ins Auge gefasst. „Es gibt keine Verhandlungen mehr. Sie sind beendet“, sagte am Freitag eine Managerin, die für Investitionsprojekte von NSIG im Ausland zuständig ist, der Deutschen Presse-Agentur in Peking. Die Gründe für den Abbruch wollte die Unternehmensvertreterin nicht nennen. Die Aktien von Siltronic sackten nach der Nachricht um bis zu fünf Prozent ab.

Die Shanghaier Firma hatte laut der Nachrichtenagentur Bloomberg bereits Mehrheitsaktionär Wacker Chemie kontaktiert, um dessen Anteil von knapp 58 Prozent zu übernehmen. Allerdings seien die Chinesen nicht bereit gewesen, mehr als den aktuellen Marktwert von 1,16 Milliarden Euro zu zahlen, hieß es Ende vergangener Woche. Für Irritationen sorgt auch der wachsende Widerstand in Deutschland und den USA, Technologie nach China zu verkaufen.

Ein Wacker-Sprecher gab auf Anfrage keinen Kommentar zu den Vorgängen ab. Seit dem Börsengang von Siltronic 2015 sei aber generell klar, dass Wacker Chemie mittelfristig bei Siltronic in die Minderheit gehen wolle, bekräftigte er. Wacker habe zuletzt auch deutlich gemacht, dass man Siltronic nicht unter Wert verkaufen werde. Angesichts des Abschlusses großer Investitionsvorhaben habe der Konzern auch keinen akuten Finanzierungsbedarf.

Erst am Vortag war der geplante Verkauf des deutschen Spezialmaschinenbauers Aixtron an chinesische Investoren endgültig geplatzt. US-Präsident Barack Obama hatte den Erwerb des US-Geschäfts von Aixtron am Wochenende untersagt. Grund sind Befürchtungen, dass Aixtron-Produkte auch militärisch genutzt werden könnten.

Chinas Handelsministerium übte scharfe Kritik an den USA: „Die USA benutzen häufig die „nationale Sicherheit“ als Vorwand, was gegen Marktregeln und kommerzielle Grundsätze verstößt“, sagte der Sprecher Shen Danyang der dpa zum Scheitern der Übernahme von Aixtron. „Es ist ein weiterer klassischer Fall von Einmischung in normale geschäftliche Tätigkeiten.“ China hoffe, dass die USA objektiv die ausländischen Investitionen chinesischer Unternehmen betrachteten und nicht mehr in gewöhnliche Aktivitäten intervenierten.

Aixtron-Chef Martin Goetzeler forderte unterdessen Hilfen von der Bundes- wie Landesregierung, um seinem Unternehmen langfristig das Überleben in der jetzigen Form zu ermöglichen. „Deutschland will den Hochtechnologiestandort fördern und ist gefordert, im Interesse der Sicherheit und der Arbeitsplätze zu handeln“, sagte Goetzeler im Handelsblatt-Interview. Die Politik sei jetzt in einer gewissen Bringschuld.

Aixtron stellt Maschinen für die Chipindustrie her und steckt seit langem wegen einer schwachen Auftragslage in der Krise. Chinesische Investoren griffen zuletzt verstärkt nach deutschen Mittelständlern und Technologieunternehmen. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte angekündigt, heimische Schlüsseltechnologien besser schützen zu wollen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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