Singapur Air Show: Machtwechsel über den Wolken

Singapur Air Show
Machtwechsel über den Wolken

Neue Flughäfen, moderne Flotten – die asiatische Luftfahrtbranche strotzt vor Selbstbewusstsein. Auf der Singapur Air Show werben westliche Konzerne um die Kundschaft aus China und Saudi-Arabien.
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Düsseldorf/SingapurDer US-Flugzeugherstellers Boeing feiert einen neuen Rekordauftrag - aus Indonesien. Die Fluggesellschaft Lion Air ordert 230 Kurzstreckenflieger vom Typ 737, deren Listenpreis auf 22,7 Milliarden Dollar beziffert wird. Damit nährt Asien erneut die Wachstumsfantasien der Flugzeughersteller. Dabei sind die Asiaten ambitioniert genug, die Branchenriesen aus Amerika und Europa herauszufordern. Auf der Singapur Air Show, der wichtigsten asiatischen Luftfahrtmesse, demonstriert die Branche von heute an (bis 19. Februar) ihr Selbstbewusstsein. 900 Aussteller aus 50 Ländern werden erwartet.

Die Stimmung in Singapur ist optimistisch. Der asiatische Hunger nach Flugzeugen ist groß – und dürfte weiter zunehmen. Allein Boeing erwartet in Asien zwischen 2011 und 2030 einen Bedarf von 11.450 Maschinen. Asien könnte Nordamerika damit als größten Flugzeugmarkt der Welt ablösen. Schon heute wird jeder dritte Dollar der Luftfahrtbranche im asiatisch-pazifische Markt verdienst, schätzt die Internationale Flug-Transport-Vereinigung (IATA). Allein in China sind 45 neue Flughäfen in Planung. Die Zahl der Passagiere soll bis 2015 von 2,8 auf 3,6 Milliarden steigen.

Dabei sollen vor allem asiatische Airlines eine Schlüsselrolle spielen. Experten trauen der arabischen Airline Emirates zu, bis 2015 zur größten Fluggesellschaft der Welt aufzusteigen. Auch Air China, China Eastern und China Southern stocken ihre Flotten massiv auf. Europäischen Airlines fehlt für eine Expansion meist das Kapital, weil die Banken konservativer bei der Kreditvergabe geworden sind. Chinesische und japanische Banken finanzieren Flugzeugkäufe deutlich häufiger. Airlines wie Air France, Lufthansa und Singapore Airlines droht der Machtwechsel am Himmel.

Deutlich optimistischer kann der Westen beim Flugzeugbau sein. Vom Boom der asiatischen Luftfahrt profitieren bisher vor allem der US-Hersteller Boeing und der europäische Konkurrent EADS. Die große Hoffnung der Chinesen - die C919 - soll erst 2014 auf Jungfernflug gehen, 2017 soll sie marktreif sein. Die Chinesen haben ein Problem: Sie haben das Geld, aber nicht das Know-How zur Flugzeugkonstruktion – und müssen darum auf Joint Ventures setzen. Bis Juni sollen alle Zulieferverträge unterzeichnet sein, teilte Comac in Singapur mit. Bis zum Ende des Jahres rechnen die Chinesen mit bis zu 300 Vorbestellungen für den Jet. Zu den Kunden zählen bisher aber im wesentlichen chinesische Staatskonzerne wie Air China und China Southern.

Große Hoffnungen setzen die Chinesen darum in die Kooperation mit dem kanadischen Flugzeugbauer Bombardier. In den kommenden zwei Monaten soll feststehen, wie mit dem kanadischen Flugzeugbauer Bombardier im Detail aussehen soll. Die Kanadier sind gezwungen, mit den Chinesen zu kooperieren, weil die als Airbus-Konkurrenz geplante C-Serie des Konzerns mit 183 Bestellungen die hohen Erwartungen bisher nicht erfüllen konnte. Sogar ein Teilverkauf der Bombardier-Flugzeugsparte nicht ausgeschlossen.

Kommentare zu " Singapur Air Show: Machtwechsel über den Wolken"

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  • Wie man es übersehen kann, dass die alten Wirtschaftsregionen verloren haben und dem Untergang geweiht sind, ist nicht zu verstehen.
    Aber die Hoffnung stribt zuletzt! Schalft weiter!

  • Die Chinesen sind selbsbewusst und clever genug, um dem Märchen Klimaerwärmung und Abzocke durch Emissionshandel zu widerstehen. Richtig so; und vielleicht regt das die anderen Länder auch noch mal zum Nachdenken an.......

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