Sinkende Gewinne
US-Krise erfasst deutsche Konzerne

Der starke Euro und die schwache US-Wirtschaft schlagen jetzt auch auf die deutschen Unternehmen durch. Experten erwarten einen Gewinneinbruch bei den Dax-Unternehmen. Das Jahr 2009 könnte zur Nagelprobe für die deutsche Wirtschaft werden.

DÜSSELDORF. Die 30 größten börsennotierten Firmen im Deutschen Aktienindex (Dax) mussten bereits im Schlussquartal 2007 empfindliche Gewinneinbußen hinnehmen. Auch für das laufende Jahr lässt die Zuversicht der Firmenchefs nach, Analysten senken für die meisten Dax-Konzerne ihre Prognosen. Denn nach den Banken und Versicherungen, deren Gewinne im vierten Quartal um fast die Hälfte eingebrochen sind, geraten jetzt auch die Industriekonzerne unter Druck.

Ökonomen und Politiker hatten lange Zeit gehofft, dass Deutschland sich von den Erschütterungen aus Übersee abkoppeln könnte. Doch die Gewinnentwicklung bei rund zwei Dritteln der 30 Dax-Konzerne, die bereits ihre Zahlen vorgelegt haben, zeigt ein alarmierendes Bild. Klammert man die Schwergewichte Daimler und Siemens aus, die durch Einmaleffekte Milliardengewinne einfuhren, beläuft sich der Gewinneinbruch im Schlussquartal 2007 nach Berechnungen der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) auf mehr als ein Drittel. Im Gesamtjahr allerdings haben die Konzerne ihren Nettogewinn um 14 Prozent steigern können.

„Es wird zunehmend schwieriger, an den positiven Gewinntrend der Vorquartale anzuknüpfen“, sagt LBBW -Experte Steffen Neumann. Starke Gewinneinbußen verzeichneten neben den Finanzkonzernen beispielsweise auch die Deutsche Telekom und der Stahlriese Thyssen -Krupp. Der Stahlhersteller bekommt konjunkturelle Wendepunkte in der Regel frühzeitig zu spüren.

Die von den USA ausgehende Kredit- und Finanzkrise werde noch eine Weile fortwirken, sagt Adidas -Vorstandschef Herbert Hainer voraus. „Es wird dauern, bis die Verbraucher wieder bereit sind, Geld auszugeben.“ BASF -Chef Jürgen Hambrecht klagt über mangelnde Nachfrage in den USA. Und der scheidende Henkel-Chef Ulrich Lehner räumte ein, die für das laufende Jahr vorgesehene Umsatzrendite von zwölf Prozent auch wegen steigender Rohstoffkosten zu verfehlen.

Darüber hinaus beklagen fast alle deutschen Konzerne den starken Euro. Siemens-Vorstandschef Peter Löscher betonte gestern, der aktuelle Rekordkurs des Euros von über 1,52 Dollar sei für Siemens nicht einfach. Jeder zweite Dax-Konzern macht mehr als 20 Prozent seines Umsatzes in den USA. Beim Pharmakonzern Merck belastete der starke Euro das Geschäft. Die Kosten für Produktion und Entwicklung fallen überwiegend in Euro an. Bei der Deutschen Telekom und dem Chemiekonzern BASF haben Währungseinflüsse den Umsatz um rund vier Prozent im Gesamtjahr gemindert.

Seite 1:

US-Krise erfasst deutsche Konzerne

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%