Sinkende Stahlproduktion
Stahlbranche ringt mit Auftragsminus

Der Einbruch kam schnell und hart: Innerhalb weniger Wochen ist die Nachfrage nach Stahl massiv gefallen. Die weltweite Stahlproduktion sinkt, nun soll eine Angebotsverknappung den Preisverfall aufhalten. Im Fahrwasser von Marktführer Arcelor-Mittal haben die meisten Schwergewichte ihre Produktion um bis zu ein Drittel gedrosselt.

DÜSSELDORF. „Die Kunden haben ihre Bestellungen gestoppt. Wir haben fast keine Neuaufträge mehr", sagte der Vorstandschef der Salzgitter AG, Wolfgang Leese, dem Handelsblatt. Neben einer traditionell schwächeren Auftragslage im Schlussquartal macht er die Auswirkungen der Finanzkrise dafür verantwortlich.

Der Vorstandsvorsitzende von Klöckner & Co, Thomas Ludwig, fügt hinzu: "In den vergangenen Wochen haben wir bei den Stahlpreisen eine Beschleunigung des Abwärtstrends gesehen." Bei Betonstahl seien die Preise rapide um bis zu 40 Prozent gesunken, bei dem für die Autoindustrie benötigten Flachstahl um bis zu 20 Prozent.

Ein Blick auf den Kundenkreis der Unternehmen zeigt, warum die Krise die Hüttenindustrie so hart trifft: Die Autobauer ringen mit rückläufigem Absatz, den Baufirmen gehen Aufträge verloren. In der Folge sinkt die weltweite Stahlproduktion seit Jahresmitte. Der Produktionsrückgang im laufenden Quartal dürfte nochmal an Geschwindigkeit zulegen.

Im Fahrwasser von Marktführer Arcelor-Mittal haben die meisten Schwergewichte ihre Produktion um bis zu ein Drittel gedrosselt, darunter auch Salzgitter und Thyssen-Krupp. Leese kündigte an, dass über Januar hinaus - und damit länger als bislang angekündigt - weniger Stahl geschmolzen werden soll. Mit der Angebotsverknappung wollen die Firmen den Verfall der Stahlpreise aufhalten und damit ihre Verhandlungsbasis gegenüber den Kunden verbessern.

Aus Sicht von Experten werden die Autobauer bei den anstehenden Preisgesprächen auf Entlastungen drängen. Die Konzerne verzeichneten allein im Oktober ein Minus beim Fahrzeugabsatz in Europa um 15 Prozent. "Ich gehe davon aus, dass die gesunkenen Rohstoffpreise sich nun in den Stahlpreisen wiederfinden werden", sagte Peter Berggren von der Beratungsgesellschaft Accenture.

Unter Druck steht vor allem Thyssen-Krupp. Deutschlands größter Stahlproduzent hatte wegen der Mehrkosten beim Einkauf von Rohstoffen bestehende Verträge nachverhandelt und Mitte des Jahres Preisanhebungen durchgedrückt. Seitdem fallen die Preise an den Spotmärkten. Thyssen-Krupp wollte sich zu den Kundengesprächen nicht äußern.

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