Sinkende Sterbezahlen
Sargbranche auf Kundensuche

Die deutsche Sargindustrie steht vor gewaltigen Herausforderungen.“ Eine Aussage, an der man hängen bleibt – nicht nur, weil sie so schön verkorkst klingt. Etwa schon wieder eine Katastrophe?

DÜSSELDORF. Doch es sind Absatzsorgen, die den Verband der deutschen Zulieferindustrie für das Bestattungsgewerbe (VDZB) umtreiben: Der deutsche Markt für Särge ist geschrumpft, klagt er in seiner Pressemitteilung.

Am Geschäftszweck der Branche lässt die Begründung keinen Zweifel aufkommen: Die Zahl der Verstorbenen in Deutschland ist in den letzten Jahren tendenziell rückläufig, das heißt, die Menschen leben im Durchschnitt länger, knirscht der Verband hörbar mit den Zähnen. Ist eben ärgerlich für Sargverkäufer. Die potenziellen Kunden und künftigen Leichen sehen das wohl anders: Hurra, wir leben noch.

Aber nicht zu früh gefreut: Die Sarg-Branche hat Erfahrung mit dem Auf und vor allem dem Ab des Lebens und blickt daher optimistisch in die Zukunft. Denn Sarg-Verkäufer wissen, dass wir schließlich alle einmal sterben müssen und reiben sich die Hände: Mit nachhaltig steigenden Sterbezahlen ist nach bisherigen Prognosen etwa ab 2010 zu rechnen, jubelt der VDZB – im Stillen. Anscheinend hat der Verband einen todsicheren Tipp aus dem Jenseits bekommen. Wird uns die Vogelgrippe doch noch alle dahinraffen? Kein Kommentar vom VDZB.

Bestätigt wird lediglich das aus Sicht der Sarg-Branche wohl bedauerliche Fazit im gegenwärtigen Diesseits: Der Absatz deutscher Särge ist im Jahr 2004 um 8,7 Prozent auf 273 000 Stück gesunken. Und es kommt noch schlimmer: Nur noch jeder fünfte Verstorbene wird in einem Sarg aus Eiche zur letzten Ruhe gebettet. Die billige Kiefer hat das urdeutsche Hartholz aus den Gräbern verdrängt. Discount-Särge aus Osteuropa vermiesen das Geschäft mit dem Tod. Registriert wird bereits „eine gewisse Entsorgungsmentalität“. Auch die Zunahme der Feuerbestattungen – immerhin 40 Prozent aller Beisetzungen – ist der Sarg-Branche ein Dorn im Auge. Denn mit der Leiche werden nur preiswerte Särge eingeäschert.

Särge „made in Germany“ haben da wohl nur noch eine Chance: Qualität. Nicht knausern an der Totenkiste, sondern klotzen, lautet das Motto. Lackierte Eiche und reiche Beschläge statt Rohkiefer oder sogar Pappe fürs Krematorium. Schließlich darf die Bestattungskultur in Deutschland nicht auch noch den Bach runter gehen, weil alles preiswert sein soll. Die Schuld an der Misere gibt der VDZB der Politik: Sie verantwortet die Abschaffung des Sterbegeldes und sorgt für die Trauer-Stimmung bei den Konsumenten. Mit dem Regierungswechsel von Rot-Grün zu Schwarz-Rot könnte das vorüber sein. Dann hat der deutsche Sarg wieder bessere Chancen – der VDZB glaubt an luxuriösere Beisetzungen unter einer Kanzlerin der Schwarzen.

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