Sinkende Strompreise möglich
Knappes Gut im Überfluss

Bisher galten Emissionszertifikate als knappes und kostbares Gut. Doch das Blatt hat sich gewendet. Die Preise für Emissionsberechtigungen fallen. Und obendrein zeichnet sich ab, dass die deutsche Industrie über mehr Zertifikate verfügt, als sie für den Betrieb ihrer Anlagen benötigt.

BERLIN. Emissionszertifikate galten bislang als knappes und kostbares Gut. Doch nun ist alles anders: Die Preise für Emissionsberechtigungen fallen. Und obendrein zeichnet sich ab, dass die deutsche Industrie über mehr Zertifikate verfügt, als sie für den Betrieb ihrer Anlagen benötigt. Das jedenfalls bestätigen Gutachter dem Handelsblatt. Sollte die Prognose zutreffen, könnten sinkende Strompreise die Folge sein. Offiziell wird die Zertifikate-Bilanz für das Jahr 2005 am 15. Mai vorgestellt.

„Die Tendenz geht dahin, dass die Firmen im ersten Jahr mit den Zertifikaten ausgekommen sind. Natürlich gibt es auch Fälle, wo es nicht reichte. Aber das ist in allen Ländern so“, sagte Günter Schock, Umweltgutachter beim Tüv Rheinland, dem Handelsblatt. Der Tüv Rheinland prüft europaweit die Emissionsberichte von 500 Anlagen. In Deutschland nehmen insgesamt 1 850 Anlagen am Emissionshandel teil. Ralf Schmackpfeffer, Umweltgutachter beim ebenfalls international tätigen Zertifizierungsunternehmen DNV, kommt zu ähnlichen Ergebnissen wie Schock: „Sicher ist die Ausstattung in einigen Branchen, etwa der Glas- und der Zementindustrie, eher knapp gewesen. Im Allgemeinen sind die Unternehmen in Deutschland aber mit den Zertifikaten gut ausgekommen“, sagte Schmackpfeffer. Nach Beobachtungen des freiberuflichen Umweltgutachters Hans-Peter Bruck sind viele Unternehmen so reichlich mit Zertifikaten ausgestattet worden, dass sie diese nun „in großem Stil verkaufen“.

Die Umweltgutachter prüfen die Emissionsberichte der einzelnen Unternehmen. Nach diesem Verifizierungsverfahren werden die Berichte über die Landesbehörden an die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) weitergeleitet, die die Gesamtbilanz am 15. Mai vorlegt.

Einige EU-Staaten hatten bereits in den vergangenen Tagen ihre Bilanz für 2005 präsentiert. In den meisten Fällen meldeten sie einen Überschuss an Zertifikaten. In der Folge war der Preis für die Berechtigung zur Emission einer Tonne Kohlendioxid an der Leipziger Strombörse in den vergangenen Tagen von über 28 Euro auf unter 12 Euro gefallen. Angesichts der Talfahrt des Kurses hatte die EU-Kommission am Wochenende den Mitgliedstaaten nahe gelegt, mit der Veröffentlichung der Daten bis zum 15. Mai zu warten.

Die DEHSt hält sich strikt an die Vorgabe aus Brüssel und äußert sich nicht zur Zertifikatebilanz für 2005. Dagegen bestätigen die Länder, dass sich die insbesondere von den Stromkonzernen geäußerte Kritik, sie seien zu schlecht mit Zertifikaten ausgestattet worden, nicht bewahrheiten dürfte: „Die Kraftwerksbetreiber gehören in der Regel zu denen, bei denen es mit den Zertifikaten ganz gut hinkommt“, sagte Volker Hoffmann vom Landesumweltamt Nordrhein-Westfalen dem Handelsblatt. In dem bevölkerungsreichsten Bundesland stehen 440 Anlagen, die am Emissionshandel teilnehmen.

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