Sintez verklagt Energiekonzern
Neuer Ärger für RWE in Russland

Die angekündigte Expansion nach Russland bereitet RWE-Chef Jürgen Großmann immer neuen Ärger: Nachdem jüngst der Einstieg in einen russischen Stromproduzenten gescheitert ist, hat nun der ehemalige Partner für die Übernahme eine Klage gegen den deutschen Energiekonzern eingereicht. Der russische Mischkonzern Sintez fordert von RWE vor einem Londoner Schiedsgericht 1,4 Mrd. Dollar, weil er angebliche Abmachungen nicht eingehalten hat.

BERLIN | DÜSSELDORF. RWE hatte im März im Rahmen der Liberalisierung der russischen Stromwirtschaft gemeinsam mit Sintez den Zuschlag für den Stromerzeuger TGK-2 erhalten, der im Nordwesten Russlands mit 16 Heizkraftwerken rund sieben Mill. Kunden mit Strom und Wärme versorgt und zuletzt rund 600 Mill. Euro umsetzte. Großmann maß dem Projekt eine hohe strategische Bedeutung bei, sollte es RWE doch Zugang zum wachstumsstarken russischen Markt verschaffen.

Formal stieg zunächst Sintez ein, RWE sollte dann aber in einem Joint-Venture die Kontrolle über TGK-2 übernehmen. Die beiden Partner konnten sich in zähen Verhandlungen jedoch nicht auf die Bedingungen einigen, worauf RWE Ende September das Projekt aufgab. Offiziell begründete der Energiekonzern dies mit den schwierigen Rahmenbedingungen wegen der Finanzkrise, weshalb die Übernahme nicht mehr wirtschaftlich sei. In Unternehmenskreisen wurde aber über den russischen Partner geklagt, der immer neue Bedingungen gestellt habe.

RWE wollte gestern auf Anfrage den juristischen Schritt nicht kommentieren. Aus dem Umfeld des Unternehmens hieß es aber, man sehe der Klage gelassen entgegen. Sowohl die Begründung als auch der Streitwert entbehrten jeder Grundlage. RWEs Anteil sollte schließlich nur bei rund 500 Mill. Euro liegen.

Der Mischkonzern Sintez, der neben der Stromproduktion auch im Immobiliengeschäft und im Bergbau tätig ist und dem Senator Leonid Lebedew gehört, erklärte, die Essener hätten ihre Verpflichtungen nicht eingehalten und müssten nun für die Kosten aufkommen. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben zunächst einen Anteil von knapp 45 Prozent übernommen und wenig später acht Prozent. Zudem gab Sintez gegenüber den Minderheitsaktionären von TGK-2 eine Übernahme-Offerte für 40 Prozent der Aktien ab.

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