Sipri-Bericht
Rüstungsindustrie verliert an Boden

Die weltweiten Waffengeschäfte laufen schlechter. Das zeigt der neue Bericht des Friedensforschungsinstituts Sipri. Nahezu alle großen Rüstungskonzerne machen weniger Umsatz, nur in einem Land wächst die Produktion.
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MünchenDer Verkauf von Rüstungsgütern ist im Jahr 2012 weltweit um 4,2 Prozent zurückgegangen. Das gab das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri am Freitag auf der Sicherheitskonferenz in München bekannt. Demnach wurden 2012 Waffen und militärische Ausrüstung für insgesamt 395 Milliarden US-Dollar (290 Milliarden Euro) gehandelt. Im Vergleich zu 2003 ist das ein Anstieg um 29 Prozent. Drei Viertel der größten Rüstungsfirmen sitzen in den USA und in Westeuropa.

Der Rückgang der Waffenverkäufe sei allerdings nicht einheitlich, teilte Sipri mit. Vor allem Rüstungsunternehmen in den USA, Kanada und in den meisten westeuropäischen Ländern verkauften weniger. Deutsche Firmen wie der Panzerproduzent Krauss-Maffei-Wegmann und der Schiffsbauer Thyssen-Krupp hatten aufgrund mangelnder Nachfrage nach schweren Waffen Rückgänge von mehr als 20 Prozent zu verzeichnen.

Der Rückzug der US-Armee aus dem Irak Ende 2011 sorgte bei einigen amerikanischen Firmen für starke Einbußen. „Das Hoch, das die US-Waffenindustrie vor dem Budget Control Act erlebt hat, als die USA noch in zwei Kriege verwickelt waren, ist vorbei“, sagte Sam Perlo-Freeman, zuständig für Militärausgaben und Rüstungsproduktionsprogramme bei Sipri. „Aber sie macht immer noch Gewinne, die im historischen Vergleich sehr hoch sind.“

In Russland hingegen zeigten die Aufrüstungspläne von Präsident Wladimir Putin Wirkung. Die sechs größten russischen Rüstungsfirmen verkauften insgesamt 28 Prozent mehr Waffen. „Die russische Rüstungsindustrie erhebt sich nach und nach aus den Ruinen der sowjetischen Industrie“, sagte Perlo-Freeman. Die Konkurrenzmöglichkeiten der Russen seien jedoch begrenzt, denn ihre Ausrüstung sei veraltet, ihre Organisation ineffizient und Korruption weit verbreitet.

Für China lag Sipri kein Datenmaterial vor.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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