SIS-Verkauf
Siemens größtes Sorgenkind

Der Siemens-Chef will sich von der IT-Sparte SIS trennen - doch er findet weder Partner noch einen neuen Spartenleiter. Den IT-Dienstleister dicht machen oder an den Erstbesten verkaufen geht aber auch nicht.
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MÜNCHEN. Eigentlich mag Siemens-Chef Peter Löscher keine halben Sachen. In anderthalb Wochen wird er die IT-Sparte SIS von dem Konzern abtrennen, sie firmiert dann in eigener Rechtsform – und soll verkauft werden.

Mit der Unabhängigkeit wollte Löscher auch einen neuen Chef an die Spitze des Spin-off-Unternehmens hieven, doch bislang hat er sich nach Informationen des Handelsblatts nur Absagen geholt. Daher wird die neue SIS GmbH am 1. Oktober wohl unter Interimsführung beginnen.

Das ist kein schöner Start, doch es gibt Schlimmeres: Auch die langfristige Zukunft der Sparte ist nach Einschätzung von Experten völlig offen, weil das Unternehmen für einen Verkauf derzeit viel zu desolat ist.

Für Siemens-Chef Peter Löscher ist der Fall SIS ärgerlich. Der IT-Dienstleister ist die letzte ganz große Baustelle in seinem Konzern. Schon lange passt die Sparte nicht mehr so recht zu dem „grünen Infrastrukturgiganten Siemens“, den Löscher propagiert. Viel lieber als Rechenleistung verkauft der Österreicher Gasturbinen, Straßenbahnen oder Windräder.

Doch einfach schließen oder die ungewollte Sparte an den erstbesten Interessenten abstoßen, das geht nicht. Schließlich hat sich Siemens in früheren Fällen schon öfter in die Nesseln gesetzt. Die Handysparte ging nur ein Jahr nach dem Verkauf an den Taiwaner Elektronikkonzern BenQ pleite. Ein Flop war auch die Übernahme der Gigaset-Schnurlostelefone durch Arques. Mit dem Finanzinvestor lieferte sich Siemens eine monatelange Schlammschlacht.

Aus solchen Fehlern wird man klug. Deshalb will Siemens die Tochter nun in Eigenregie sanieren, um sie zumindest mittelfristig für Käufer attraktiv zu machen. Der Konzern streicht noch einmal Tausende Stellen, Finanzvorstand Joe Kaeser gibt 500 Mio. Euro für Investitionen frei.

Die SIS blickt auf bewegte Jahre zurück. Strategie und Führungspersonal wechselten mehrfach, die verlustreiche Sparte wurde ausgegliedert und wieder reintegriert. Verkaufsverhandlungen, etwa mit der Deutschen Telekom, sind mehrmals in letzter Minute gescheitert. Das Problem: SIS verdient viel weniger als die meisten Wettbewerber und ist im globalen Vergleich zu klein. Der Umsatz sank in den vorigen Jahren von 5,4 Mrd. Euro auf wohl nur noch 4,1 Mrd. Euro im laufenden Geschäftsjahr 2009/10 (30.9.).

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