„Sisyphos-Arbeit“ in der VW-Affäre
Ermittler stecken im VW-Dickicht fest

Die Untersuchungen in der VW-Affäre gestalten sich komplexer als angenommen. Die Aufklärung der VW-Affäre führt durch ein Zahlendickicht auf Computerfestplatten, zahllosen Quittungen und Bergen von Papier.

HB WOLFSBURG. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG will dem Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats voraussichtlich erst im Herbst einen Abschlußbericht vorlegen. Mit dem Bericht sei nicht vor Ende Oktober zu rechnen, teilte Volkswagen am Montag in Wolfsburg mit. Einen Zwischenbericht habe KPMG am Montag ebenfalls noch nicht vorgelegt. Vor dem Hintergrund der schwierigen Datenlage hätten sich die Prüfer noch nicht in der Lage gesehen, belastbare Zwischenergebnisse vorzustellen, hieß es. Damit wird im September gerechnet.

Der Prüfungsausschuss beschloss unterdessen, Strafantrag zu stellen, um mögliche Begünstigungen des Betriebsrats zu klären. Gegen wen sich der Antrag im Zusammenhang mit hohen Spesenabrechnungen für die Arbeitnehmervertretung richte, teilte VW zunächst nicht mit. „Ziel unseres Antrages ist es, von unabhängiger Seite klären zu lassen, ob und gegebenenfalls wer gegen die entsprechenden gesetzlichen Vorschriften verstoßen hat“, erklärte VW-Chef Bernd Pischetsrieder. Grundlage sei das Betriebsverfassungsgesetz, dem zufolge die Begünstigung eines Betriebsratsmitgliedes mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft wird (Paragraph 119).

Die Aufklärung der VW-Affäre führt durch ein Zahlendickicht auf Computerfestplatten, zahllosen Quittungen und Bergen von Papier. Die Untersuchung wird eine Reihe von Experten noch lange beschäftigen: Das Landeskriminalamt (LKA) in Hannover hat eine spezielle Ermittlungsgruppe eingerichtet, zwei erfahrene Staatsanwälte leiten die polizeilichen Nachforschungen. Volkswagen selbst hat die private Prüfungsgesellschaft KPMG eingeschaltet. Außerdem sucht die Innenrevision des Automobilbauers in der eigenen Buchhaltung nach Spuren von Korruption und möglichem Spesenbetrug.

Die Prüfungsgesellschaft KPMG hat rund 15 Mitarbeiter in die VW- Zentrale nach Wolfsburg geschickt, wie der Vorstandsvorsitzende des Autobauers, Bernd Pischetsrieder, berichtete. Allein von Skoda seien „30 Umzugskisten Papier“ auszuwerten. Von den PCs der Beteiligten seien Daten im Umfang von 1000 Gigabyte abgespeichert worden - das entspricht dem Speicherplatz, den 200 Spielfilme in DVD-Qualität benötigen. Zur Personalstärke der VW-Innenrevision wollte das Unternehmen keine Angaben machen. Pischetsrieder hatte gesagt, die „Mehrheit“ der Revisoren sei an den Untersuchungen beteiligt.

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