Sitzung unterbrochen
Länderstreit blockiert Airbus-Sanierung

Die Airbus-Mitarbeiter warten seit Monaten auf eine klare Ansage des Vorstands, wie hart sie das angekündigte Sparprogramm trifft. Am Dienstag nun sollte es so weit sein. Doch völlig überraschend hat der Mutterkonzern EADS den Termin abgesagt. Grund sind Streitigkeiten unter den Ländern. Vor allem Deutschland und Frankreich bekriegen sich.

HB FRANKFURT. Airbus teilte am Montag mit, das Treffen des EADS-Vorstands sei am Sonntag unterbrochen worden und werde erst in den kommenden Tagen fortgesetzt. Ursprünglich hatte es geheißen, dass am Dienstag Einzelheiten zum Sanierungsprogramm Power 8 vorgestellt werden sollten.

Laut Airbus-Pressemitteilung liegt das Problem in der Entscheidung über den Bau des neuen Langstrecken-Flugzeugs A350. Eine Airbus-Sprecherin sagte zudem, es habe keine Lösung über die Arbeitsteilung zwischen den an Airbus beteiligten Ländern gegeben. Airbus unterhält Werke in ganz Europa, vor allem in Deutschland und Frankreich. Diese beiden Ländern sind direkt oder über Privatunternehmen auch die größten Anteilseigner.

Airbus-Chef Louis Gallois unterstrich die Notwendigkeit einer schnellen Austarierung der nationalen Interessen. „Ich habe Vorschläge für eine Balance gemacht, die sowohl industrielle als auch technologische Aspekte berücksichtigt und die Wettbewerbsfähigkeit sichert.“ Gallois äußerte die Hoffnung, dass „der dringend benötigte Konsens“ erreicht werden kann. „Airbus kann sich Verzögerungen bei Power 8 nicht länger leisten. Natürlich dringen die Beschäftigten jetzt auf Klarheit, wie die Zukunft des Unternehmens und damit ihre eigene Zukunft aussehen wird.“ Von Seiten der Bundesregierung gab es zunächst keinen Kommentar.

Tausende Stellen bedroht

Das Pariser Wirtschaftsblatt „Les Echos“ meldete, dass europaweit 10 000 Arbeitsplätze gestrichen werden sollten, darunter jeweils 3 000 bis 4 000 in Deutschland und Frankreich. Zwei der insgesamt sieben deutschen Airbus-Werke – Varel und Nordenham – droht das Aus. Gewerkschaften berichten ebenfalls darüber, dass 10 000 der europaweit 52 000 Stellen bis 2010 wegfallen sollen. Allerdings solle dies ohne Entlassungen erreicht werden, insbesondere Zeitarbeiter könnten deshalb vom Sparprogramm betroffen sein. Mit Power 8 will Airbus die Kosten bis 2010 um 5 Mrd. Euro senken, anschließend sollen es 2 Mrd. pro Jahr sein.

Hochrangige Politiker hatten das EADS-Management zuletzt ermahnt, die Lasten der Sanierung gerecht auf Deutschland und Frankreich zu verteilen. Einem Bericht der Tageszeitung „Die Welt“ zufolge soll der A380 weiter im Hamburger Werk produziert werden. Dies habe das operative Führungsgremium am Sonntag beschlossen, berichtete das Blatt ohne Angabe von Quellen. EADS wollte den Bericht nicht kommentieren. Zwischenzeitlich war spekuliert worden, die arbeitsteilige Produktion des Flugzeugs könne ganz nach Toulouse verlegt werden.

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