Skandale erschüttern den Konzern
Siemens und seine Brandherde

Einst galt Siemens als deutsches Vorzeigeunternehmen. Doch die Zeiten sind vorbei. Ein Skandal folgt auf den nächsten: Schmiergelder an Kunden, angebliche Bestechung des Betriebsrats, Pleite der ehemaligen Handy-Tochter, Kartellstrafe. Manche Fälle sind schon aufgeklärt, andere kochen gerade hoch. Eine Übersicht.

HB MÜNCHEN. Eine bisher beispiellose Skandalserie erschüttert seit Monaten den Elektrokonzern Siemens. Dabei steht in mehreren Fällen der Vorwurf der Korruption im Raum:

Schmiergeld-Affäre in Kommunikationssparte

Rund ein Dutzend ehemalige und noch aktive Mitarbeiter des Konzerns sollen nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in großem Stil schwarze Kassen gebildet haben, um Schmiergelder an Manager von ausländischen Kunden zu zahlen. Siemens selbst spricht von rund 420 Mill. Euro an dubiosen Zahlungen. Es ist damit eine der größten Schmiergeld-Affären in der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

Einen vorläufigen Höhepunkt erreichte der Skandal Mitte Dezember, als der frühere Siemens-Vorstand Thomas Ganswindt vorübergehend in Haft genommen wurde. Im Januar wurde bekannt, dass auch der frühere Siemens-Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger zu den Beschuldigten gehört. Siemens-Chef Klaus Kleinfeld bestreitet, von den Bestechungszahlungen gewusst zu haben. Die Ermittlungen laufen noch.

Millionen an Betriebsräte

Die aufsehenerregende Verhaftung des Zentralvorstands Johannes Feldmayer am Dienstag hängt unterdessen mit einem anderen Skandal zusammen. Der Nürnberger Unternehmer und frühere Siemens-Betriebsrat Wilhelm Schelsky soll über Jahre hinweg Millionen an Beraterhonoraren ohne entsprechende Gegenleistung erhalten haben. Genannt werden Summen von 14 bis 34 Mill. Euro. Schelsky war bis zuletzt Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB), einer als arbeitgeberfreundlich geltenden Gegenorganisation zur IG Metall. Feldmayer soll die Verträge mit Schelsky abgesegnet haben.

Laut eines Zeitungsberichts wird auch gegen den ehemaligen Finanzvorstand und Aufsichtsratschef Karl-Hermann Baumann ermittelt sowie gegen den ehemaligen Spartenvorstand und heutigen Vorstandschef der Fluggesellschaft Austrian Airlines, Alfred Ötsch. Die Ermittlungen treten gerade in ihre heiße Phase ein, zumal die IG Metall mit einer Anzeige wegen Beeinflussung des Betriebsrats gedroht hat.

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