Skandinavien und Polen im Visier: Deutsche Bahn wächst im Ausland

Skandinavien und Polen im Visier
Deutsche Bahn wächst im Ausland

Nach den Verlusten durch die Streiks im letzten Jahr und den bevorstehenden Tarifabschlüssen mit der Lokführergewerkschaft GDL, sieht sich die Bahn nach neuen Einnahmequellen um. Eine Maßnahme des Konzerns ist dabei die Expansion im Ausland. Nach dem Einstieg in Großbritannien peilt die Bahn nun auch andere Ziele an.

DÜSSELDORF. Vor dem Hintergrund des bevorstehenden hohen Tarifabschlusses mit der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) forciert die Deutsche Bahn nach dem Güterverkehr nun auch im regionalen Personenverkehr die Schritte ins Ausland. Außer dem gestern bekannt gewordenen Einstieg in England will der Konzern auch in Skandinavien und Polen Fuß fassen, kündigte Personenverkehrs-Vorstand Karl-Friedrich Rausch an.

Die Vereinbarungen mit den Lokführern würden die Wettbewerbsfähigkeit des Bahn-Konzerns im Inland verschlechtern. Die Konkurrenten hätten wegen deutlich geringerer Tarifabschlüsse mit der GDL günstigere Kostenstrukturen. Deshalb sei es für die Konzerntochter DB Regio "der richtige und notwendige Schritt", sich Wachstumspotenziale im Ausland zu erschließen, sagte Rausch. Der britische Bahn-Markt wachse am schnellsten in Europa.

Berater wie der Verkehrsexperte von Booz Allen Hamilton, Jürgen Ringbeck, weisen allerdings darauf hin, dass die Deutsche Bahn nicht erst seit der Tarifauseinandersetzung, sondern bereits seit Jahren den Einstieg in ausländische Nahverkehrsmärkte suche. Sie habe ihre Bemühungen allerdings lange Zeit nur "auf sehr kleiner Flamme gekocht".

Schienennahverkehr im Ausland zu betreiben, bringe wenig operative Synergieeffekte. Die Kernfrage sei nun über die konkrete Übernahme hinaus, was die Management-Kompetenz von Europas größtem Eisenbahnbetreiber in einem ausländischen Markt wert sei, erklärte Ringbeck. Sehen müsse man in jedem Fall auch, dass ein solcher Deal vom "Geist der Teilprivatisierung" des Bahnkonzerns geprägt sei - als Schritt einer konsequenten unternehmerischen Internationalisierungsstrategie. Damit steige die Deutsche Bahn jetzt ernsthaft in den Wettbewerb mit den großen ausländischen Playern der Nahverkehrsbranche ein.

Joris D'Incà, Fachmann der Beraterfirma Oliver Wyman, verweist darauf, dass der Auslandseinstieg für DB Regio zwingend sei, weil im Heimatmarkt die international operierenden Wettbewerber zunehmend Marktanteile gewinnen. Die Bahn müsse rasch ein Portfolio an Konzessionen und Verträgen aufbauen, bei dem die Risiken der stets nur befristeten Laufzeiten ausgeglichen würden. Da sei der Einstieg in Großbritannien "ein erster kleiner Anfang".

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