Solar-Branche
Energiefirmen hoffen auf Arabien

Deutsche Energie-Unternehmen suchen verstärkt nach arabischen Investoren. Beim mehrtägigen Besuch einer Wirtschafts-Delegation aus Nordrhein-Westfalen in Abu Dhabi rückten einige Projekte bereits in die Nähe von Abschlüssen.

ABU DHABI. So prüft die Bonner Solar-Firma Solarworld den Bau einer 500 Mio. Dollar teuren Produktionsanlage für Silizium am Persischen Golf. Silizium ist ein wichtiger Grundstoff für die Herstellung von Solar-Panelen.

"Im Nahen Osten betragen die Energiekosten zwei US-Cent pro Kilowattstunde, in Deutschland ist das viermal so teuer", sagte der Vorstandsvorsitzende von Solarworld, Frank Asbeck, dem Handelsblatt. Das Unternehmen will das am Golf produzierte Silizium für die Anfertigung von Solar-Panelen in Deutschland verwenden, die dann wieder auf die Arabische Halbinsel exportiert werden können. "Langfristig ist aber nicht ausgeschlossen, dass auch in Arabien Solar-Panelen produziert werden", sagte Asbeck.

Solarworld verhandelt mit drei halbstaatlichen Gesellschaften in Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien. Bis Ende des Jahres soll die Entscheidung fallen, wer den Zuschlag bekommt. "Die Golfstaaten diversifizieren ihre Energie-Versorgung. Das bietet uns Perspektiven", begründet Asbeck die Ausrichtung nach Nahost. Die Emirate sind die Vorreiter. In dem Land, das auf neun Prozent der weltweiten Öl-Reserven sitzt, soll bis 2016 die erste CO2-freie Stadt der Welt entstehen. Die Regierung will bis 2020 sieben Prozent des Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen speisen.

Auch das Solar-Institut Jülich, das zur Fachhochschule Aachen gehört, setzt auf den Export von Solar-Technologie nach Arabien. Das Institut baut bereits ein solarthermisches Kraftwerk in Algerien, das eine Gesamtleistung von fünf Megawatt haben soll. Nun wollen die Jülicher in den Emiraten eine Anlage hochziehen, die eine dreimal so hohe Kapazität aufweist. Zudem wird eine Forschungs-Plattform angeboten.

Der Staatsfonds International Petroleum Investment Company (IPIC) aus Abu Dhabi habe "großes Interesse an unserem Modell" gezeigt, sagte Bernhard Hoffschmidt, Geschäftsführer des Solar-Instituts Jülich. Im Gegensatz zu herkömmlichen solarthermischen Kraftwerken, die mit einer Temperatur von rund 400 Grad Celcius arbeiten, kommt die Jülicher Anlage auf 700 Grad. Eine höhere Temperatur steigert den potentiellen Wirkungsgrad und drückt die Kosten. Die stark auf den Bereich Energie fokussierte Gesellschaft IPIC hat 70 Prozent an dem Industrie- Dienstleister MAN Ferrostaal erworben. Das Essener Unternehmen soll bei einer Reihe von Aufträgen in Nahost zum Zuge kommen, unter anderem beim Bau eines der größten Petrochemie-Werke der Welt.

Der Energie-Versorger RWE sieht ebenfalls große Chancen für die eigene Produkt-Palette. "Wir können uns eine Kooperation mit IPIC bei der Windkraft ebenso vorstellen wie bei der Verarbeitung von Flüssiggas", betonte Stefan Judisch, CEO von RWE Supply & Trading. Für Judisch ihn ist aber eine noch viel weiter gehende Zusammenarbeit drin: "Wir betreiben ein kapitalintensives Geschäft, der Nahe Osten verfügt über viel Kapital, daher ist die Beteiligung eines arabischen Staatsfonds an RWE durchaus denkbar."

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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