Solar-Energie
Spanien verspricht hohe Renditen

Spanien bietet beste Voraussetzungen für die Gewinnung von Solar-Strom - klimatisch wie betriebswirtschaftlich. Per Gesetz garantiert der Staat den Solar-Werksbetreibern eine "angemessene Rendite".

MADRID. Schier endlos ziehen sich die Reihen der Fotovoltaik-Module über die sanften Hügelketten. Eine stete frische Meeresbrise sorgt dafür, dass die Module nicht zu heiß werden. Früher wurden auf dieser Finca nahe der Hafenstadt Almería Mandelbäume gezüchtet. Jetzt zieht das deutsch-chinesische Joint Venture Sinosol in Zusammenarbeit mit der spanisch kontrollierten Alpine dort eines der größten Fotovoltaik-Kraftwerke weltweit hoch. Es ist das erste Mal, dass eine solche Anlage auf Hügeln gebaut wurde. „Eine große Ingenieursleistung“, sagt stolz Friedrich Schmid, bei Sinosol zuständig für Forschung und Entwicklung. „Die Schwierigkeiten beim Bau werden durch die höhere Stromproduktion an den Südhängen aufgewogen.“

Kräftige Arbeiter mit rot verbrannten Rücken und Gesichtern bauen aus China gelieferte Solarmodule auf die einachsigen Halterungen, insgesamt 91 000 Module auf 300 000Quadratmetern. Die Anlage muss bis Juli fertiggestellt sein. Nur für Solarparks, die bis September in Betrieb gehen, sichert der spanische Staat den Investoren für 25 Jahre eine Einspeisevergütung von 41 Cent pro Kilowattstunde zu.

Das ist zwar eigentlich begrenzt auf Anlagen bis zu zehn Megawatt. „Da das Transportsystem sehr schlecht ist, wollte die spanische Regierung kleine, dezentralisierte Anlagen nahe beim Konsumenten fördern“, sagt Luis Pérez de Ayala, der in der spanischen Anwaltskanzlei Cuatrecasas Solarinvestoren betreut. Für Großinvestoren indes kein Problem: Sie bauen einfach mehrere Einheiten zu zehn Megawatt nebeneinander.

Die großzügige Förderung führte in den letzten Jahren zu einem Boom, der die installierte Kapazität in Spanien von knapp 60 Megawatt Ende 2005 auf derzeit über 800 Megawatt heraufkatapultierte. Gemäß dem Branchenverband ASIF kommen derzeit pro Monat etwa 53 Megawatt hinzu, ab Juli werde sich der Rhythmus auf 60 bis 70 Megawatt zusätzliche Kapazität pro Monat erhöhen. Spanien wurde nach Deutschland der zweitgrößte Solarmarkt Europas.

Per Gesetz ist der Staat verpflichtet, den Solarwerks-Betreibern eine „angemessene Rendite“ zu garantieren. Aber wie die Regelung ab September aussehen wird, ob es eine Deckelung der Gesamtkapazität geben wird, wie hoch der neue Solartarif ausfallen und ob er wie vom Verband ASIF vorgeschlagen flexibel oder wieder fest sein soll, ob durch eine Art Solarstromversteigerung eine Art Wettbewerb zwischen den Solarstromproduzenten geschaffen werden kann – all das steht noch in den Sternen. Die Verhandlungen wurden wegen der Parlamentswahlen im März unterbrochen und werden jetzt mit dem neuen Energiesekretär wieder aufgenommen. Friedrich Schmid von Sinosol indes macht sich keine großen Sorgen. „Unser Worst-Case-Szenario sind 31 Cent Förderung, da kommen die Investoren immer noch auf eine zweistellige Rendite.“

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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