Solar Millennium
Prozess um Utz Claassens Antrittsgeld beginnt

Nach nur 74 Tagen räumte Hoffnungsträger Utz Claassen den Chefsessel beim Solarkrafthersteller Solar Millennium. Am Freitag beginnt der Prozess um die 9,2 Millionen Euro, die Claasen bei seinem Antritt kassierte.
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Erlangen/ NürnbergEr galt als Hoffnungsträger auf dem Weg zum Weltkonzern, sein Ruf als Star-Manager sollte auch ein wenig auf das Unternehmen Solar Millennium abstrahlen. Entsprechend großzügig zeigte sich der Aufsichtsrat des Erlanger Solarkraftwerkherstellers im Jahr 2010, als es galt, den früheren EnBW-Chef Utz Claassen an die Spitze des Unternehmens zu holen: 9,2 Millionen Euro hat Claassen für seinen Wechsel in die Chefetage von Solar Millennium (SM) erhalten - von einem Unternehmen, das es damals auf einen Jahresumsatz von 73,2 Millionen Euro brachte.

Die Ära Claassen, in der Solar Millennium dank visionärer Solartechnik weltweit zum führenden Solarkrafthersteller aufsteigen sollte, wehrte freilich nur kurz: Schon nach 74 Tagen legte der heute

48-Jährige sein Amt nieder - die 9,2 Millionen Euro behielt der Manager. Sein reguläres Jahresgehalt wurde nie veröffentlicht. Ein seitdem geführter Streit über das angebliche Antrittsgeld hat tiefe Gräben zwischen den Parteien aufgerissen. Klage folgte Widerklage. An diesem Freitag (9.9.) kommt es nun zu dem immer wieder verschobenen Prozess vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth.

In dem Zivilverfahren fordert Solar Millennium die seinerzeit an Claassen gezahlten Millionen zurück. Mit diesen hätte der Manager, so argumentiert das mittelständische Unternehmen, verabredungsgemäß Aktien des Unternehmens kaufen sollen. Da das nicht geschah, sei die Grundlage für das Antrittsgeld entfallen.

Genau diesen Zusammenhang bestreitet Claassens Anwalt Frank Silinger energisch. Zudem hätten von den 9,2 Millionen Euro lediglich fünf Millionen einen Art Anreizfunktion gehabt, die übrigen vier Millionen Euro seien eine Kompensationszahlung unter anderem für Claassens Verzicht auf eine gut dotierte Managerposition gewesen, sagte er der dpa - bei einem größeren Unternehmen etwa. Nach Abzug von Steuern habe Claassen von den 9,2 ohnehin „nur“ 4,7 Millionen Euro kassiert. 200.000 Euro hätten zur Absicherung von Claassens Altersversorgung gedient.

Mit einer sogenannten Feststellungsklage will Claassen nun die Rechtmäßigkeit seiner Kündigung gerichtlich bestätigen lassen - inzwischen hat er sogar Strafanzeige gegen den Aufsichtsrat des Erlanger Unternehmens gestellt. Denn der Manager fühlt sich vom Solar-Millennium-Aufsichtsrat „bei den Vertragsverhandlungen bewusst irregeführt“, einzelne Aufsichtsratsmitglieder hätten seinen Rücktritt geradezu provoziert.

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