Solarbranche
Bosch kämpft um Aktionäre von Aleo-Solar

Bosch hält trotz aller Widrigkeiten an seinen Solar-Plänen fest. Bisher konnte der Autozulieferer noch nicht genügend Aktionäre des Modulherstellers Aleo-Solar überzeugen, ihre Anteile zu verkaufen. Die gesamte Übernahme veranschlagt der Konzern mit 120 Millionen Euro.

STUTTGART. Bosch will sich trotz der schwierigen Marktverhältnisse und Problemen bei der Übernahme von Aleo-Solar nicht von seinen Solarplänen abbringen lassen. Der weltgrößte Autozulieferer konnte bislang erst 63,6 statt der angestrebten 75 Prozent der Aktionäre des Modulhersteller von einem Verkauf ihrer Anteile überzeugen.

Bosch hat jetzt kurz vor Ablauf der Angebotsfrist auf die Bedingung einer Annahmequote von 75 Prozent verzichtet. Dadurch verlängert sich die Angebotsfrist um zwei Wochen bis zum 12. Oktober, ohne dass Bosch die Offerte erhöhen muss. "Wir geben ein Signal an die Anteilseigner, dass Bosch auf jeden Fall die Mehrheit übernimmt und sich nicht mehr zurückzieht", sagte ein Sprecher dem Handelsblatt. Der Konzern hofft, dass jetzt weitere Anteilseigner einknicken, die vielleicht darauf spekuliert haben, dass Bosch entweder die Pläne verwirft, wenn die 75 Prozent nicht erreicht werden, oder das Angebot doch noch nachbessert.

Am Montagmorgen lagen Aleo-Solar-Aktien an der Börse mit 9,01 Euro knapp über dem Angebot. Die gesamte Übernahme veranschlagt Bosch mit 120 Mio. Euro. Die EU-Kommission habe die Übernahme inzwischen genehmigt, teilte Bosch weiter mit.

Der Konzern hat sich vor eineinhalb Jahren zum strategischen Einstieg in die Solarindustrie entschieden, um seine starke Abhängigkeit von der Automobilindustrie zu verringern. Auf diese entfallen rund 60 Prozent des Umsatzes. Größtes Engagement ist die Übernahme des Solarzellenherstellers Ersol, für den rund eine Mrd. Euro gezahlt wurden, plus 530 Mio. Euro, die in eine neue Solarfabrik investiert werden. Experten halten den Schritt von Bosch in die Solarbranche zwar für richtig, das Timing aber für ungeschickt, da zu einem Zeitpunkt gekauft wurde, als die Preise vor der Krise sehr hoch waren. Inzwischen sind auch die Preise für Solarzellen vor allem wegen der starken asiatischen Konkurrenz unter Druck geraten. Stark vom chinesischen Staat subventionierte Konkurrenten unterbieten die deutschen Produzenten um 30 Prozent.

Bosch sieht die Investitionen in die Solarindustrie langfristig. Die Querschnittstechnologie kann in mehreren Geschäftsbereichen eingesetzt werden. Die Investitionen in die Solartechnik belasten den Konzern jedoch in der Krise gewaltig. Erstmals in der Nachkriegszeit erwartet Bosch in diesem Jahr einen "deutlichen Verlust", wie Bosch-Chef Franz Fehrenbach kürzlich noch einmal bestätigte. Insgesamt rechnet er 2009 mit einem Umsatzminus von 15 Prozent auf 38 Mrd. Euro.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%