Solarbranche
Conergy rutscht noch tiefer in die Miesen

Enttäuschende Zahlen mit einem hohen Verlust und ein schwacher Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr haben die Aktie des Solarunternehmens Conergy gestern um knapp 50 Prozent einbrechen lassen. Die Aktie notierte nur noch mit rund 88 Cent, was das Unternehmen nur noch mit 350 Mio. Euro bewertet.

HANNOVER. In den vergangenen Wochen war die Aktie bis auf Kurse knapp unter 1,50 Euro gestiegen, doch waren Übernahmespekulationen als Grund für den Anstieg genannt worden. Im Umkreis von Conergy wurden Spekulationen zurückgewiesen.

Die Analysten von Equinet haben die Einstufung für Conergy nach den Zahlen auf "Verkaufen" belassen. Das erste Quartal sei "katastrophal" ausgefallen, schrieb Analyst Sebastian Growe. Auch der Umsatzausblick für das Gesamtjahr liege unter den Erwartungen.

Montagabend hatte das Hamburger Unternehmen mitgeteilt, im ersten Quartal einen Umsatzeinbruch um 70 Prozent auf 65 Mio. verbucht zu haben. Der Vorstand geht jetzt davon aus, den Vorjahresumsatz von einer Mrd. Euro zu verfehlen. Außerdem räumte der Vorstand ein, dass im Vorjahr ein deutlich höherer Verlust angefallen ist als bisher bekannt. Der Fehlbetrag im fortgeführten Geschäft lag mit 254 Mio. Euro um 55 Mio. Euro höher als in den vorläufigen Zahlen angegeben. Im Vorjahr lag der Verlust bei 213 Mio. Euro. Inklusive der inzwischen aufgegebenen Geschäftsbereiche betrug das Minus sogar 307 Euro gegenüber 248 Mio. Euro im Vorjahr.

Als Grund nannte Conergy zusätzliche Abschreibungen sowie Rückstellungen für einen möglichen Rechtstreit. Conergy hatte im Oktober 2007 mit MEMC eine Vereinbarung für die Lieferung von Silizium bis zum Jahr 2018 geschlossen. Was der damalige Vorstandschef Hans-Martin Rüter als "Quantensprung" bezeichnete, ist nun ein Mühlstein am Hals der klammen Firma. Zwar konnte das ursprünglich vereinbarte Vertragsvolumen von sieben bis acht Mrd. Dollar auf unter zwei Mrd. Euro gedrückt werden, daraus könnten sich aber immer noch hohe Belastungen ergeben. Denn der Preis für Silizium ist am Spotmarkt inzwischen drastisch eingebrochen.

Hintergrund ist eine Auseinandersetzung mit dem US-Konzern MEMC über einen Vertrag zur Lieferung von Wafern, aus denen dann Conergy die Solarmodule fertigt. Conergy strebt eine Neuverhandlung des Vertrages an, hat aber noch keine Einigung erzielt. Im vergangenen Juli hatte der Hamburger Konzern die mit MEMC vereinbarten Lieferungen drastisch zusammengestrichen. Über die kommenden zehn Jahre soll nach damaliger Vereinbarung die US-Firma Siliziumwafer nur noch im Wert von maximal vier Mrd. Dollar liefern statt wie ursprünglich vorgesehenen für sieben bis acht Mrd. Dollar. Michael Schatzschneider vom Brokerhaus Steubing erwartet, dass Conergy seinen Vertrag mit MEMC erfüllen muss.

Conergy hatte die ursprünglich für Ende März vorgesehene Bilanzpressekonferenz wegen der Verhandlungen mit MEMC verschoben. Nun soll diese am 29. April stattfinden.

Conergy kommt eine wichtige Rolle für die Solarindustrie zu. Denn das Unternehmen ist der wichtigste Händler von Solarmodulen, gefragt sind dabei weniger die eigenen Produkte, sondern die anderer Solarfirmen. Die Befürchtung vieler Branchenvertreter ist, dass bei einer Pleite der Vertrieb weiter in Stocken geraten und die Branche stärker belastet werden könnte. Solarworld-Chef Frank Asbeck dämpfte allerdings die Sorgen. "Es werden sich schnell alternative Absatzwege eröffnen", sagte er dem Handelsblatt.

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