Solarbranche
Die Sonne über Bitterfeld

Die Chemieregion Bitterfeld-Wolfen schien nach der Wiedervereinigung an ihrem Ruf zu scheiten. Doch jetzt entwickelt sich eine Erfolgsgeschichte. Hier beginnt das Solar Valley von Sachsen-Anhalt. Und bald auch von Deutschland. Und wohl auch Europas.

THALHEIM. Nur einen Kilometer entfernt vom gewaltigen Firmenpalast, wo Agfa in Wolfen vor gut 70 Jahren den Farbfilm entwickelte, liegt heute im Ort Thalheim die Sonnenallee. Während der Betonkoloss mit vernagelten Fensteröffnungen einer fragwürdigen Zukunft entgegensieht, wächst dort eine neue Branche:

Manfred Kressin hat seither Probleme mit dem Englischen. Als altgedienter Ortsvorsteher von Wolfen-Thalheim hat er Pflichten, wenn Unternehmen feiern. Und das kommt häufig vor. Zuletzt Mitte Oktober, als Q-Cells, das binnen weniger Jahre zu Deutschlands größtem konzernunabhängigen Solarzellenhersteller aufstieg, wieder einen neuen Grundstein legen ließ. Eine neue Tochterfirma mit Namen Brilliant 234. GmbH wird eine Pilotanlage für neuartige Dünnschichtzellen errichten. Die für die Massenproduktion vorgesehene Technologie wurde gemeinsam mit dem Forschungszentrum Jülich entwickelt. Gleich nebenan drehen sich weitere Baukräne.

EverQ baut eine zweite Fabrik neben die "Fab I", in die bis Sommer 2006 über 70 Millionen Euro investiert wurden. Dort sind derzeit 360 Mitarbeiter beschäftigt. EverQ ist ein Joint Venture der inzwischen börsennotierten Q-Cells, dem amerikanischen Unternehmen Evergreen Solar sowie der norwegischen Renewable Energy Corporation. "Im nächsten Sommer geht die Fab II in Betrieb", versichert Rick Feldt, CEO von Evergreen.

Und ein paar Meter weiter stellt Calyxo, eine weitere Q-Cells-Tochter, für ihre Pilotfertigungslinie Maschinen zur Herstellung von Dünnschicht-Solarmodulen auf.

Für Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Rainer Haselhoff ist die Region Wolfen-Thalheim bereits ein "beispielhafter Cluster der Solarindustrie". Allein bei Q-Cells arbeiten in der Entwicklungsabteilung fast 100 Ingenieure und Techniker. Durch dünnere Wafer, höhere Wirkungsgrade und anderen Schichtaufbau soll auch bei den herkömmlichen Zellen der Siliziumeinsatz sinken.

"Die Solarbranche ist für Sachsen-Anhalt eine der größten Erfolgsgeschichten", freut sich auch Detlef Schubert, Staatssekretär im Magdeburger Wirtschaftsministerium. Dass sich die Zellenproduktion auf den Standort Wolfen konzentriert, sieht er nicht als Nachteil, denn dadurch würde schnell eine Größe erreicht, die andere Investoren aufmerksam machen und anlocken dürfte. "Da kommt noch mehr", frohlockt der Staatssekretär beim Gedanken an die Zukunft.

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