Solarbranche
Krise trifft Q-Cells mit voller Wucht

Die Solarbranche ist in der Krise, und die schlägt beim Solarzellenhersteller Q-Cells voll durch. Das Geschäft läuft unter Plan. Jetzt will Q-Cells reagieren.

HAMBURG. Zehn Jahre nach seiner Gründung steht der Solarkonzern Q-Cells vor einem Strategiewechsel. Nach einem Gewinneinbruch im zweiten Quartal kündigte Vorstandschef Anton Milner gestern an, dass dazu bis zu einer Aufsichtsratssitzung am 13. August Vorschläge ausgearbeitet werden sollen. Bislang ist das Unternehmen auf die Fertigung von Solarzellen fokussiert – und hat es damit bis an die Weltspitze der Branche geschafft.

Mit dem Nachfrageeinbruch auf dem Solarmarkt gerät das Geschäftsmodell aber ins Wanken. Denn als Zellenlieferant steht Q-Cells zwischen den Modulherstellern und den Siliziumproduzenten. Mit fatalen Folgen: Das Unternehmen kann die Preisabschläge, die es den Modulherstellern gewährt, nicht an seine Siliziumlieferanten weiterreichen, wie Finanzvorstand Nedim Cem dem Handelsblatt sagte.

Wegen der gesunkenen Nachfrage nach Solarmodulen befinden sich die Preise seit Herbst im freien Fall – um bis zu 30 Prozent ging es bergab. Q-Cells müsse einen Abschlag von 20 Prozent verdauen, sagte Cem, der Mitte Mai das Finanzressort von Hartmut Schüning übernahm. Die Preiskürzungen hätten nicht an die Waferlieferanten weitergeben werden können. Aus den Wafern fertigt Q-Cells Solarzellen. „Wir werden mit aller Macht die Waferpreise neu verhandeln. Wir müssen diese auf ein Niveau bringen, mit dem wir ein, zwei Jahre leben können“, sagte der Finanzchef.

Die Sandwichposition ist verheerend für die Bilanz des Konzerns: Im zweiten Quartal halbierte sich der Umsatz auf 142 Mio. Euro. Nachdem bereits im ersten Quartal wegen Abschreibungen auf die Beteiligung an REC das Nettoergebnis tiefrot ausgefallen war, ist nun auch das operative Geschäft defizitär. Der Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) werde bei rund 62 Mio. Euro liegen, hieß es. Im Vorjahr waren es noch plus 60 Mio. Euro.

Wegen der schwachen Entwicklung kassierte Vorstandschef Milner die Prognose für das laufende Jahr. Zuvor hatte er bereits wiederholt die Erwartungen gesenkt. Absehbar ist nun, dass der Umsatz hinter den Vorjahreswert von 1,3 Mrd. Euro zurückfallen wird – ursprünglich hatte der Konzern mit rund 2,1 Mrd. Euro geplant.

Um die Kassen zu entlasten, schickt Q-Cells weitere seiner insgesamt 2 500 Beschäftigten in Kurzarbeit und legt einige Anlagen vorübergehend still. Cem kündigte zudem an, dass ein Teil der Investitionen auf den Prüfstand gestellt würden.

Milner wie auch sein Finanzchef hielten sich mit konkreten Details über den bevorstehenden Strategiewechsel bedeckt. Aus Sicht von Branchenkennern wird Q-Cells seine Wertschöpfung vertiefen müssen. Denkbar sei der Einstieg in die Modulproduktion, hieß es in Branchenkreisen. Einen solchen prüft Q-Cells schon seit einiger Zeit.

Vorbild könnte die Bonner Solarworld AG sein, die vom Wafer bis zum Solarmodul die komplette Bandbreite der Industrie abdeckt. Wie sich an der Entwicklung des zweiten Quartals zeigt, ist der Konkurrent besser als Q-Cells für die Krise gerüstet. „Von uns sind keine negativen Nachrichten für das Quartal zu erwarten“, sagte Solarworld-Chef Frank Asbeck. Der Umsatz werde auf dem Niveau des Vorjahres liegen.

Bei seinem bevorstehenden Strategiewechsel kann Q-Cells auf Ruhe in seinem Aktionärskreis bauen. Mit der C&A-Familie Brenninkmeijer, die 47,6 Prozent der Aktien hält, hat das Unternehmen einen langfristig orientierten Investor an Bord.

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